Nach Angaben von Europol enthalten die Inhalte von „The Com“ codierte Sprache und Emojis, deren Bedeutung für Erwachsene schwer zu entschlüsseln sein könne. Die Botschaften förderten Selbstverletzung und die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger. Zu den in der Aktion erfassten Inhalten zählten demnach gewalttätige Videos und Bilder, die Selbstverletzung, Suizid, Material über sexuellen Kindesmissbrauch, Tierquälerei und gewalttätige Angriffe zeigen.
Europol nennt zudem weitere Formate, darunter Videos gewalttätiger Straßenangriffe, eine Praxis mit der Bezeichnung „manhunt“, sowie Brandstiftung. Hinzu kommen Anleitungen und Handbücher zu Themen wie Grooming, Mord, improvisierten Sprengsätzen oder ideologischen Positionen. Solche Materialien würden von Gruppen erstellt, um Mitglieder in Methoden für gewalttätige Angriffe, das Grooming und die sexuelle Erpressung verletzlicher Minderjähriger sowie Doxing und Swatting einzuweisen.
Die jetzige Maßnahme baut auf Project Compass auf, einer einjährigen Operation, die im Januar 2025 gestartet wurde und von Europols European Counter Terrorism Centre geleitet wird. Nach Europol-Angaben arbeiten daran Strafverfolger aus 28 Ländern mit. Wie BleepingComputer im Februar berichtete, führte dieser breiter angelegte Einsatz bislang zu 30 Festnahmen; zudem wurden 179 Verdächtige mit Bezug zu „The Com“ identifiziert sowie 62 Opfer.
Bereits im Januar 2025 veröffentlichte Europol zudem einen Hinweis auf den Anstieg von Online-Kultgemeinschaften, die gezielt junge Menschen ansprechen. „The Com“, kurz für „Community“, beschreibt die Behörde als dezentralisiertes Netzwerk, das keine geschlossene Ideologie habe. Einige Teile des Netzwerks verfolgten jedoch gewalttätige rechtsextreme und accelerationistische Vorstellungen.
Nach Darstellung von Europol rekrutieren und manipulieren mit „The Com“ verbundene Gruppen ihre Opfer über soziale Medien, Messenger-Dienste und Gaming-Plattformen. Sie zwängen Betroffene durch Erpressung dazu, sich selbst zu verletzen, Gewalt auszuüben und Material über sexuellen Kindesmissbrauch zu produzieren. Am Freitag erklärte Europol außerdem, die Gruppen verbreiteten Propaganda über leicht zugängliche Plattformen, um junge Menschen anzuziehen, und leiteten potenzielle Mitglieder und Opfer in private Foren und Chaträume weiter, in denen Radikalisierung und Viktimisierung stattfänden. Opfer würden typischerweise durch sexuelle Erpressung im Einflussbereich der Täter gehalten.
Laut Europols Mitteilung vom Februar ist „The Com“ in mehrere Untergruppen organisiert. Im April 2025 wurden zwei mutmaßliche Anführer von 764 festgenommen: der 20-jährige Prasan Nepal und der 21-jährige Leonidas Varagiannis. Ihnen wird vorgeworfen, einen internationalen Ring zur Ausbeutung von Kindern betrieben zu haben; nun droht ihnen lebenslange Haft.
Zuvor war „The Com“ bereits mit mehreren aufsehenerregenden Ransomware-Angriffen in Verbindung gebracht worden, darunter die Einbrüche bei Kasinos in Las Vegas im September 2023 sowie Angriffe auf Marks & Spencer, Co-op und Harrods im April 2025.
