Lloyd ist eine ungewöhnliche Ausnahme in Burnhams Neuaufstellung der Regierung. Während der Premier mehrere Verbündete von Keir Starmer aus ihren Ämtern entfernte, bleibt ausgerechnet Lloyd im Amt, die Starmer nahestand und früher als dessen Direktorin für die Umsetzung politischer Vorhaben arbeitete. Sie hat kein gewähltes Mandat, sondern sitzt als Baroness Lloyd of Effra im House of Lords, dem ernannten Oberhaus des Parlaments.
Im Zentrum steht das Cyber Security and Resilience Bill, das nach Angaben des Quelltexts Anfang dieses Monats die zweite Lesung im House of Lords mit parteiübergreifender Unterstützung passiert hat. Die Detailberatung beginnt im September. Ein Ministerwechsel nur sechs Wochen vor diesem Schritt hätte neue Einarbeitung und mögliche Verzögerungen für ein Gesetz bedeutet, das die Regierung noch in diesem Jahr verabschieden will.
Der Gesetzentwurf schreibt Regeln aus dem Jahr 2018 neu. Er soll die britische Cyberregulierung auf mehr Organisationen ausweiten und Ministern die Befugnis geben, Vorschriften zu ändern und Unternehmen aus Gründen der nationalen Sicherheit Anweisungen zu erteilen. Besonders hervor hebt der Quelltext, dass künftig auch Rechenzentren und Managed Service Provider erfasst würden. Außerdem würden Meldefristen für Sicherheitsvorfälle für Betreiber wesentlicher Dienste festgelegt, darunter Energie-, Wasser- und Gesundheitsversorgung.
Lloyd war auch die zuständige Ministerin, als die Regierung geplante Schutzmaßnahmen für Telekommunikationsnetze abschwächte. Diese Maßnahmen waren als Reaktion auf die Spionagekampagne Salt Typhoon entwickelt worden. Laut Quelltext hatten die Unternehmen, die die Vorgaben umsetzen sollten, gegen die Pläne lobbyiert und dabei Kosten und Praxistauglichkeit als Argumente angeführt.
Burnham war am Montag von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt worden, nachdem Starmer nach einer Vorsitzendenwahl der Labour-Partei zurückgetreten war. Zu Burnhams ersten Entscheidungen gehörte die Zerschlagung des Department for Science, Innovation and Technology, das die Cyberpolitik seit 2023 beaufsichtigt hatte.
Dessen Aufgaben wurden auf drei Ressorts verteilt: Cyberpolitik und digitale Regierungsdienste gehen an das DCMS, Wissenschaft an das DBIST, und die Politik für künstliche Intelligenz samt dem AI Security Institute an das Cabinet Office. Damit wird die Sicherheitsarbeit zu künstlicher Intelligenz erstmals vom Cyberressort getrennt. Vertreter der Branche warnten laut Quelltext, dass mit dieser Aufteilung die Verbindung von Daten, digitalen Fähigkeiten und künstlicher Intelligenz aufgegeben werde, die als zentrale Stärke des bisherigen Ministeriums gegolten habe.
Die neue Zuständigkeit verlagert das Thema Cybersicherheit in ein Ministerium, das zugleich politisch sensible Kulturthemen wie Online Safety und die Erneuerung der BBC-Charta betreut. Quellen aus Whitehall lobten die höchste Beamtin des DCMS, Susannah Storey, für ihre umfangreiche Erfahrung in Cyberfragen, erklärten aber auch, die Mitarbeiter würden weiterhin politische Unterstützung auf Ministerebene benötigen.
Lloyd hat zudem einen Nationalen Cyber-Aktionsplan für diesen Sommer angekündigt. Diese Strategie soll die breitere Wirtschaft gegen staatlich unterstützte und kriminelle Hackerangriffe wappnen. Die Veröffentlichung war früher im Juli erwartet worden, verzögerte sich nach Starmers Rücktritt jedoch.
Ein Regierungssprecher erklärte, Cybersicherheit sei „ein wesentlicher Teil unseres täglichen Lebens“, weshalb die Regierung „entschlossen handelt, um das Vereinigte Königreich vor Cyberbedrohungen zu schützen und die Cyberresilienz in der gesamten Wirtschaft zu verbessern“. Das Cyber Security and Resilience Bill werde „die Cyberabwehr des Vereinigten Königreichs stärken und die Cybersicherheit unserer wesentlichen öffentlichen und digitalen Dienste verbessern“. Zu der Neuverteilung der Zuständigkeiten erklärte der Sprecher weiter, die Funktionen des früheren Department for Science, Innovation and Technology seien dorthin verlagert worden, wo sie die direkteste Wirkung entfalten könnten.
