CertiK beschreibt „Wrench“-Angriffe als Fälle physischer Nötigung, bei denen Angreifer ihre Opfer oder deren Umfeld unter Druck setzen, um an digitale Vermögenswerte zu gelangen. Dazu zählen laut dem Unternehmen klassische Deliktsformen wie Hauseinbrüche, Entführungen und in seltenen Fällen auch Mord. Für seine Auswertung nutzte CertiK öffentlich verfügbare Informationen und andere verifizierte Quellen.

Die Firma zählte bis Juni weltweit 52 solcher Angriffe. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 39. Damit ergibt sich laut CertiK ein Anstieg um 33 Prozent im Jahresvergleich. Zugleich weist das Unternehmen darauf hin, dass die tatsächliche Zahl höher liegen könnte, weil nicht alle Taten angezeigt werden und manche Fälle erst nach Abschluss behördlicher Untersuchungen bekannt werden.

Nach Einschätzung von CertiK reichen die Methoden über die übliche soziale Manipulation hinaus, die bei Angriffen auf Krypto-Wallets oder Plattformen eine Rolle spielt. Täter müssten nicht einmal den eigentlichen Inhaber direkt erreichen, wenn sie stattdessen Ehepartner, Eltern, Kinder, Beschäftigte, Fahrer, Assistenten oder enge Freunde bedrohen. Solche Stellvertreteropfer hätten oft schwächere operative Sicherheitsvorkehrungen, berechenbarere Routinen und weniger Schulung als das eigentliche Ziel, heißt es in dem Bericht.

Als Beispiele nennt der Bericht die Entführung einer französischen Mutter und ihres Kindes im April, einen Hauseinbruch in Minnesota aus dem Jahr 2025 sowie einen Fall aus Connecticut von 2024, bei dem ein Lamborghini geraubt wurde. Diese Vorfälle illustrieren laut CertiK, dass der Zugriff auf Kryptowährungen zunehmend mit direkter physischer Gewalt oder glaubhaften Drohungen erzwungen wird.

Auch die gemeldeten finanziellen Schäden sind nach den Angaben stark gestiegen. CertiK beziffert sie bislang in diesem Jahr auf 124 Millionen US-Dollar, verglichen mit 10,5 Millionen US-Dollar in der ersten Hälfte von 2025. Das Unternehmen rät allerdings, diese Summe eher als Indikator für das gesamte finanzielle Ausmaß solcher Angriffe zu verstehen und nicht als Maß für tatsächlich realisierte kriminelle Gewinne. In den Zahlen seien nicht nur erzwungene Übertragungen enthalten, sondern auch Fälle, in denen Vermögenswerte möglicherweise eingefroren wurden.

Auf das Phänomen weisen Sicherheitsfirmen und Strafverfolger laut dem Bericht bereits seit mehreren Jahren hin. Das Blockchain-Analyseunternehmen TRM Labs berichtete im vergangenen März darüber, und der britische Branchenverband CryptoUK veranstaltete im Dezember gemeinsam mit Strafverfolgern ein Webinar zu dem Thema.

Der Forscher Lukasz Olejnik hatte bereits im Januar darauf hingewiesen, dass solche Angriffe besonders dann ansetzen, wenn Nutzer ihre Kryptowährungen in Eigenverwahrung halten, etwa in einer Offline-Wallet zu Hause. Dann gebe es keinen Vermittler wie eine Bank, der eine Transaktion anhalten, verlangsamen oder rückgängig machen könne. „Bei Eigenverwahrung ist der Nutzer auf sich allein gestellt“, schrieb er.