Im Mittelpunkt der Vorstellung von Claude Opus 5 steht die Abwägung zwischen Leistungsfähigkeit und Begrenzung offensiver Funktionen. Anthropic zufolge ist das Modell beim Finden von Software-Schwachstellen fast auf dem Niveau von Mythos 5. Deutlich schlechter schneidet es jedoch bei der Entwicklung nutzbarer Exploits ab. Diese Einschätzung stützt sich auf eine unternehmenseigene, auf OSS-Fuzz basierende Evaluierung.

Diese Bewertung soll erfassen, wie gut ein Modell mit möglichst wenig menschlicher Steuerung Schwachstellen identifiziert und anschließend ausnutzt. Laut Anthropic erkennt Opus 5 Schwachstellen annähernd so häufig wie Mythos 5, bleibt beim Exploit-Teil aber spürbar zurück. Das Unternehmen beschreibt diesen Abstand nicht als Defizit, sondern als Ergebnis bewusster Modellgrenzen.

Anthropic erklärt, Opus 5 nicht direkt auf offensive Cyber-Aufgaben trainiert zu haben. Wenn das Modell in diesem Bereich dennoch Fortschritte zeige, dann sei das ein Nebeneffekt allgemeiner Verbesserungen der Fähigkeiten. Zugleich sind die Sicherheitsklassifizierer des Modells nach Angaben des Unternehmens weniger restriktiv eingestellt als bei Fable 5. Anthropic erwartet deshalb rund 85 Prozent weniger Eingriffe.

Erlaubt ist Opus 5, unmittelbar im Quellcode nach Schwachstellen zu suchen. Blockiert bleiben dagegen binärbasierte Schwachstellen-Scans, Penetrationstests und die Erzeugung von Exploits. Anfragen, die diese Klassifizierer auslösen, werden in Claude.ai, Claude Code und Claude Cowork automatisch auf das ältere Modell Opus 4.8 zurückgeführt.

Für Unternehmen und Forscher, die am Cyber Verification Program von Anthropic teilnehmen, steht eine Version von Opus 5 mit weiter gelockerten Beschränkungen bereit. Damit knüpft Anthropic den Zugang zu erweiterten Cyber-Funktionen an ein separates Prüfprogramm.

Auch bei den übrigen Modellen zieht das Unternehmen weiter klare Grenzen. Mythos 5 ist weiterhin nicht allgemein verfügbar. Fable 5 beschreibt Anthropic als abgesicherte, öffentlich verfügbare Variante auf Basis desselben zugrunde liegenden Modells. Beide Modelle hatte das Unternehmen im vergangenen Monat vorübergehend vom Netz genommen, nachdem die Trump-Regierung Bedenken wegen einer Nutzung durch ausländische Staatsangehörige geäußert hatte. Die Beschränkungen wurden später wieder aufgehoben.

Beim Preis bleibt Opus 5 auf dem Niveau von Opus 4.8. Anthropic nennt 5 US-Dollar pro Million Eingabe-Token und 25 US-Dollar pro Million Ausgabe-Token. Ein Modus mit schnellerer Reaktionszeit ist zum doppelten Grundpreis verfügbar.