Nach der Entscheidung des britischen Höchstgerichts kann Bahrain die Klage von Saeed Shehabi und Moosa Mohammed nicht mit dem Hinweis auf staatliche Immunität abwehren. Beide werfen dem Staat vor, ihre Laptops mit der Spyware FinSpy infiziert zu haben, auch als FinFisher bekannt. Nach Darstellung der Kläger geschah dies vermutlich 2011.

In der Gerichtsentscheidung heißt es, der mutmaßliche Angriff habe den Zugriff auf Informationen auf den Computern und deren Abfluss ermöglicht. Zudem seien über die Rechner geführte Kommunikationen abgefangen worden. Auch Mikrofone und Kameras der Geräte seien zur Überwachung der beiden eingesetzt worden. Das Gericht bewertete dieses Vorgehen als eine weitreichende und hochgradig intrusive Überwachung, die den Tatbestand unrechtmäßiger Belästigung erfülle.

Shehabi und Mohammed leben inzwischen im Vereinigten Königreich und reichten dort Klage ein. Sie machen geltend, dass ihnen wegen der erlittenen psychischen Schäden Schadenersatz zustehe. Nach der Gerichtsentscheidung erfuhren sie etwa im August 2014 von der Infektion ihrer Geräte, nachdem sie Berichte bei WikiLeaks und einer bahrainischen Beobachterorganisation gesehen hatten.

Bahrain hat die Vorwürfe dem Bericht zufolge seit Langem als falsch zurückgewiesen. Ein Sprecher von Bahrains Global Communication Office reagierte demnach zunächst nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme. Im vergangenen Jahr legte die Führung des Landes beim Supreme Court Berufung mit dem Argument der Staatenimmunität ein. Dieses Argument verwarf das Gericht nun mit einer knappen Entscheidung von drei zu zwei Stimmen, weil sich der mutmaßliche Hack im Vereinigten Königreich ereignet habe.

FinSpy wird von The Citizen Lab als „ausgereifte“ Spyware beschrieben, die „ausschließlich an Regierungen für nachrichtendienstliche und strafverfolgungsbezogene Zwecke verkauft“ werde. Hinter dem Produkt steht FinFisher. Das Unternehmen meldete 2022 Insolvenz an, während seine Geschäftspraktiken untersucht wurden.

Zu den Klägern nennt der Quelltext auch biografische Hintergründe: Mohammed kam 2006 als Flüchtling nach Großbritannien, nachdem er laut seinen Anwälten von der bahrainischen Polizei festgenommen und gefoltert worden war. Shehabi lebt seit 1973 im Vereinigten Königreich, ist langjähriger prodemokratischer Aktivist und Journalist und gehörte zu führenden Köpfen der Oppositionsbewegung des Landes.

Shehabi erklärte 2023, seine „lange und zermürbende Suche nach Gerechtigkeit“ sei ein Beispiel für die „psychologische Folter, die autoritäre Regime grenzüberschreitend ausüben“.