Clayton übernimmt eine Schlüsselrolle im US-Sicherheitsapparat. Das Office of the Director of National Intelligence, kurz ODNI, wurde nach den Anschlägen vom 11. September geschaffen, um die Arbeit der nahezu 20 Nachrichtendienste des Landes zu steuern und zu koordinieren. Republikaner im Kongress begrüßten die jüngsten Einschnitte mit dem Hinweis, das ODNI sei von Anfang an als schlanke Organisation konzipiert worden.

Unmittelbar vor der Abstimmung verschärfte sich die Lage erneut. Bill Pulte, den der Bericht als entschiedenen Trump-Loyalisten ohne militärische oder nachrichtendienstliche Erfahrung beschreibt und der im vergangenen Monat vorübergehend an die Spitze der US-Geheimdienstgemeinschaft gesetzt wurde, kündigte in sozialen Medien einen neuen Personalabbau von 30 Prozent im ODNI an. Da die Zahl der Beschäftigten dort geheim ist, lässt sich das genaue Ausmaß nicht beziffern. In Kombination mit einer von der früheren DNI Tulsi Gabbard angegebenen Kürzung um 40 Prozent dürfte die Behörde aber nun wohl weniger als 1.000 Mitarbeiter haben.

Claytons Nominierung war anfangs noch mit parteiübergreifendem Wohlwollen aufgenommen worden. Genannt wurden dabei seine Regierungserfahrung und sein Ruf als Jurist. Er leitete während der ersten Trump-Regierung die Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission. Im Verlauf des Bestätigungsverfahrens wurde die Personalie jedoch zunehmend umstritten.

Bei seiner Anhörung geriet Clayton vor allem von demokratischer Seite unter Druck. Kritisiert wurde, dass er wiederholt nicht erklärte, Joe Biden habe die Präsidentschaftswahl 2020 gewonnen. Nach Ansicht der Demokraten warf das Fragen dazu auf, ob er als oberster Nachrichtendienstkoordinator politischem Druck widerstehen würde. Zudem stand er wegen Vorladungen gegen Journalisten in seiner Zeit in Manhattan in der Kritik und musste darlegen, wie er die Unabhängigkeit der Nachrichtendienste schützen wolle.

Bereits in der vergangenen Woche hatte der Geheimdienstausschuss des Senats Claytons Nominierung knapp gebilligt, ebenfalls entlang der Parteilinien. Vor der jetzigen Schlussabstimmung warb der Ausschussvorsitzende Tom Cotton für die Bestätigung. Auf dem Senatsboden sagte der Republikaner aus Arkansas, Clayton habe zugesagt, mit dem Gremium zusammenzuarbeiten, um die nach seiner Darstellung notwendige Finanzierung der Geheimdienstgemeinschaft sicherzustellen. Cotton erklärte weiter, auf Grundlage der von seinem Ausschusspersonal festgestellten Defizite rechne er damit, dass ein Ergänzungshaushalt oder ein Versöhnungsgesetz rund 40 Milliarden Dollar für die Nachrichtendienste enthalten müsse.

Demokrat Mark R. Warner aus Virginia, ranghöchstes demokratisches Mitglied des Ausschusses, erklärte dagegen, er sei bei Claytons Nominierung zunächst ermutigt gewesen, habe nach dem Verfahren aber „ernste Vorbehalte, ob er bereit wäre, sich politischem Druck zu widersetzen, wenn es am wichtigsten ist“. Nach der Bestätigung hoffe er aufrichtig, dass sich diese Sorgen als unbegründet erweisen, denn die Nachrichtendienste verdienten eine verlässlichere Führung als in den vergangenen Monaten.

Clayton tritt sein Amt in einer Phase mehrerer strategischer Belastungen an. Der Bericht nennt das weltweite Rennen mit China um künstliche Intelligenz, die Aussicht auf ausländische Einflussnahme bei den anstehenden Zwischenwahlen und der Präsidentschaftswahl 2028 sowie den Umstand, dass der Kongress Section 702 des Foreign Intelligence Surveillance Act auslaufen ließ. Dieses Instrument gilt nach Darstellung vieler Sicherheitsbeamter als eines der „Kronjuwelen“ der nachrichtendienstlichen Aufklärung. Es lief aus, nachdem Demokraten gegen Pultes Ernennung Einspruch erhoben hatten. Zusätzlich belastet der inzwischen im sechsten Monat andauernde Krieg der USA mit Iran die Finanzen der Geheimdienstgemeinschaft.