Der Bericht macht deutlich, dass Incident Response heute weit über die rein technische Eindämmung hinausgeht. Er umfasst laut Untersuchung auch Krisenmanagement auf Führungsebene, rechtliche und regulatorische Abstimmung, Kommunikation mit Anspruchsgruppen, unternehmensweite Untersuchungen, Behebung, Wiederherstellung und Überwachung nach dem Vorfall. Genau diese Verzahnung gelingt vielen Unternehmen jedoch nicht: Weniger als 40 Prozent der Befragten bezeichneten zentrale Bausteine der Incident Response als „hoch wirksam“, darunter dokumentierte Pläne, Tabletop-Übungen, Threat Hunting, digitale Forensik und 24/7-Überwachung.
Ein Kernproblem ist laut Bericht die Reibung innerhalb der Organisation. 90 Prozent der befragten Organisationen erwarten Schwierigkeiten bei der Koordination von Beteiligten während eines erheblichen Sicherheitsvorfalls. 75 Prozent stimmen zu, dass Verzögerungen oder Unsicherheit bei der Einbindung von Rechts- und Kommunikationsteams die Entscheidungsfindung in Cybervorfällen verlangsamen. Hinzu kommt, dass 89 Prozent eine begrenzte Beteiligung von Geschäftsleitung oder Vorstand an der Vorbereitung und an Entscheidungen zur Incident Response nennen.
In der Praxis führt das laut Bericht dazu, dass Teams im Ernstfall Zeit mit Lagebriefings, der Klärung von Zuständigkeiten und dem Warten auf Freigaben verlieren, statt einen eingeübten Plan abzuarbeiten. Der entscheidende Maßstab ist damit nicht, ob einzelne Fähigkeiten vorhanden sind, sondern ob sie unter Zeitdruck zusammenspielen.
Als weiteres großes Hindernis beschreibt die Studie fehlende Transparenz in den Umgebungen der Unternehmen. 78 Prozent der Befragten sagen, dass blinde Flecken einen dauerhaften Zugang für Angreifer begünstigen und das Risiko wiederholter Vorfälle erhöhen. Diese Lücken können laut Bericht lokale Infrastruktur, Public-Cloud-Umgebungen, Endpunkte, SaaS-Plattformen, Identitätssysteme und OT-Umgebungen betreffen. Ohne verlässliche Sicht auf diese Bereiche droht nach Einschätzung der Autoren, dass nur ein Teil eines Vorfalls eingedämmt wird, während der Zugang der Angreifer bestehen bleibt.
Besonders groß ist die Sorge vor Bewegungen zwischen klassischen IT-Systemen und operativen Umgebungen. 84 Prozent der Organisationen sind besorgt, dass Angreifer aus der Unternehmens-IT in OT- oder ICS-Umgebungen vordringen. Der Bericht hebt hervor, dass dies vor allem für Branchen wie Fertigung, Energie, Gesundheitswesen, Transport und kritische Infrastruktur schwer wiegt, weil dort physische Abläufe betroffen sein können.
Die Folgen von Cyberangriffen sind der Untersuchung zufolge bereits heute konkret messbar. Unter den Organisationen, die in den vergangenen zwölf Monaten angegriffen wurden, nannten Befragte Betriebsunterbrechungen, Datenverlust, Reputationsschäden, Kundenverlust, Umsatzeinbußen und Störungen auf Führungsebene. Regional zeigt sich dabei ein unterschiedliches Bild: Nordamerika meldete die höchste Angriffsrate, Befragte im Raum APAC berichteten besonders häufig von Datenverlust, Reputationsschäden und Kundenverlust, während in Europa insgesamt weniger Vorfälle gemeldet wurden, diese dort aber häufiger zu Umsatz- oder Gewinneinbußen führten.
Bei den künftigen Risiken steht Ransomware laut Bericht an erster Stelle, dicht gefolgt von Angriffen auf Cloud-Umgebungen. Die Autoren sehen jedoch keine einzelne dominierende Bedrohung, sondern ein breites Bedrohungsfeld aus Cloud-Kompromittierungen, Identitätsmissbrauch, Drittparteirisiken, KI-gestützten Bedrohungen, Ransomware und Angriffen über hybride Umgebungen hinweg.
Gleichzeitig setzen Unternehmen zunehmend auf KI- und Machine-Learning-Funktionen für Erkennung und Reaktion. Nahezu ein Drittel meldet inzwischen einen umfassenden KI-Einsatz über die meisten oder alle Aktivitäten in Threat Detection und Incident Response hinweg; im Vorjahr waren es 25 Prozent. Bis 2027 erwarten 63 Prozent, dass KI in diesen Bereichen breit verankert sein wird. Der Bericht betont jedoch, dass KI Governance, Transparenz und disziplinierte Abläufe nicht ersetzt: Sie kann Triage, Threat Hunting und Untersuchungen beschleunigen, aber keine unklaren Entscheidungsrechte, fragmentierte Koordination oder unvollständige Sichtbarkeit allein beheben.
