Der FSB begründet die Vorwürfe damit, dass Telegram „zahlreiche Kanäle, Chats und Bots auf der Plattform nicht entfernt“ habe, die nach Darstellung der Behörde aktiv von ukrainischen Spezialdiensten sowie terroristischen und extremistischen Organisationen eingesetzt würden. Darüber seien innerhalb der Russischen Föderation Sabotageakte, Terroranschläge, Massenmorde und Cyberbetrugsoperationen geplant und koordiniert worden. Nach Angaben des FSB hätten diese Handlungen zahlreiche Opfer gefordert, darunter Frauen und Kinder, und Schäden in Milliardenhöhe verursacht.

Konkret teilte der FSB mit, er habe wiederholt festgestellt, dass ukrainische Spezialdienste einen Telegram-Chatbot namens „Daivinchik/Leo-Dating, Chatting, and New Friends“ verwendet hätten, um russische Bürger durch Täuschung und psychologische Manipulation für Sabotage und terroristische Aktivitäten anzuwerben. In gemeinsamen Einsätzen mit dem Innenministerium und dem Ermittlungskomitee Russlands seien zwischen Juli 2025 und heute 46 russische Staatsbürger im Alter von 12 bis 22 Jahren festgenommen worden. Ihnen wird laut FSB vorgeworfen, bewaffnete Angriffe auf Polizeibeamte sowie Brandanschläge auf Transport-, Energie-, Kommunikations- und Finanzinfrastruktur verübt zu haben.

Nach Darstellung der Behörde hätten diese Personen außerdem als Kuriere fungiert. Sie sollen Gelder, die von betrogenen Bürgern stammten, zu Umtauschstellen für Kryptowährungen gebracht haben, um sie auf Konten einzuzahlen, die vom „Gegner“ kontrolliert würden.

Der FSB schildert zudem ein Anwerbeschema über den Telegram-Datingdienst „Daivinchik“. Demnach hätten ukrainische Geheimdienstmitarbeiter sich als junge Frauen ausgegeben und online Kontakt zu jungen russischen Männern aufgenommen. Nach dem Aufbau romantischer Beziehungen hätten die Männer den Ort eines gewünschten Treffens per Geolokalisierung übermittelt, etwa ein großes Einkaufszentrum oder ein Gebiet in der Nähe einer kritischen Einrichtung. Außerdem hätten sie Kinokarten, Konzerttickets oder Geschenke über Phishing-Links bezahlt, die von den Agenten verschickt worden seien.

Im nächsten Schritt hätten sich laut FSB Vertreter ukrainischer Nachrichtendienste über ausländische Messenger als russische Strafverfolger oder als Mitarbeiter von Rosfinmonitoring, dem Föderalen Dienst für Finanzmonitoring, ausgegeben. Diese Personen hätten behauptet, dass das von den Männern überwiesene Geld auf Konten der ukrainischen Streitkräfte gelandet sei und die übermittelten Koordinaten vom Feind zur Planung von Raketen- und Drohnenangriffen genutzt würden.

Die so getäuschten und eingeschüchterten Bürger seien unter Androhung strafrechtlicher Verfolgung zu bewaffneten Angriffen und Brandanschlägen gezwungen worden, behauptet der FSB. Diese Taten seien ihnen als Überprüfung der Terrorabwehr-Sicherheit der Ziele oder als Teilnahme an anderen „Pseudo-Einsatzmaßnahmen“ dargestellt worden.

Die Anklage gegen Durov fällt in eine Phase zunehmender Einschränkungen für Telegram in Russland. Zu Beginn des Jahres wurde die Nutzung des Dienstes gedrosselt, im April 2026 folgte eine nahezu vollständige Blockade. Bereits vor fast zwei Jahren war Durov in Frankreich festgenommen und angeklagt worden, weil er nicht ausreichend gegen illegale Aktivitäten auf der populären Messaging-Plattform vorgegangen sein soll.