Das albanische Parlament bezeichnete den Angriff in seiner Erklärung als „ausgeklügelt". Ziel sei es gewesen, Daten zu löschen und mehrere interne Systeme zu kompromittieren. Während die Hauptsysteme und die offizielle Website online blieben, mussten die internen E-Mail-Dienste der Parlamentsverwaltung zeitweise abgeschaltet werden. Die Störung betraf den ein- und ausgehenden Nachrichtenverkehr gleichermaßen.

Nach Angaben lokaler Medien hatten Abgeordnete und Mitarbeiter im Anschluss an den Angriff über mehrere Stunden keinen Zugriff auf Computer und Mailsysteme. Eine offizielle Zuordnung des Vorfalls durch die Behörden steht bislang aus.

Die Gruppe Homeland Justice reklamierte die Tat in dieser Woche für sich. Sie gab an, interne Kommunikation albanischer Abgeordneter erlangt zu haben, und stellte auf ihrem Telegram-Kanal Screenshots angeblich erbeuteter Dokumente online. Die albanischen Behörden haben diese Angaben nicht öffentlich verifiziert; die Cybersicherheitsbehörden des Landes ermitteln weiter.

Homeland Justice wird von Sicherheitsforschern und westlichen Vertretern mit der iranischen Revolutionsgarde (IRGC) in Verbindung gebracht. Die Gruppe hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Reihe von Cyberangriffen auf albanische Ziele bekannt, darunter Operationen gegen das Parlament, die nationale Fluggesellschaft, Telekommunikationsunternehmen und die nationale Statistikbehörde.

Der jüngste Vorfall fällt in eine Phase erhöhter Sicherheitsbedenken in Albanien. Hintergrund sind Vergeltungsmaßnahmen Irans gegen Länder, die US-Militärbasen beherbergen, nachdem die USA und Israel in den vergangenen Wochen damit begonnen hatten, Teheran zu bombardieren.

Viele der Homeland Justice zugeschriebenen Cyberoperationen stehen im Zusammenhang damit, dass Albanien Mitglieder der iranischen Oppositionsgruppe Mudschahedin-e Khalq (MEK) beherbergt, die im Küstenbezirk Durrës ansässig sind. In einem Telegram-Beitrag erklärte Homeland Justice, der jüngste Angriff sei eine Vergeltung für Albaniens Unterstützung der MEK.

Die Bekennung folgt auf jüngste Äußerungen der MEK-Anführerin Maryam Radschawi, die die Bildung einer von ihr als provisorisch bezeichneten Regierung ankündigte. Diese solle die derzeitige iranische Führung durch eine demokratische Republik ersetzen.