Viele der Betrugsoperationen sind in großen Anlagen in Südostasien angesiedelt. Dort werden Arbeitskräfte häufig verschleppt oder gezwungen, Betrugsmaschen gegen Opfer weltweit zu betreiben. Überlebende, die aus solchen Einrichtungen befreit wurden, berichten, sie seien mit dem Versprechen seriöser Jobs angelockt, dann faktisch eingesperrt und zur Tätigkeit als Betrüger gezwungen worden.
Typisch ist das sogenannte „Pig Butchering": Die Täter bauen über Wochen oder Monate eine Beziehung zu den Opfern auf, bevor sie diese zu Investitionen in betrügerische Kryptowährungssysteme überreden. Oft werden die Opfer dazu gebracht, immer höhere Summen anzulegen, und verlieren mitunter ihre Ersparnisse, ehe sie den Betrug erkennen.
Strafverfolgungsbehörden aus den USA, China und anderen Ländern der Region gehen gegen Akteure in Kambodscha, Thailand, Myanmar und weiteren Staaten vor. Im November kündigte das US-Justizministerium die Einrichtung einer Sondereinheit gegen die Anlagen an.
Meta erklärte, man richte sich zunehmend gegen ganze Betrugsnetzwerke statt gegen einzelne Konten und arbeite dabei mit Strafverfolgungsbehörden zusammen. In einem Beitrag berichtete das Unternehmen von einer Zusammenarbeit mit der Royal Thai Police, dem FBI und der britischen National Crime Agency bei einem Einsatz in Bangkok. Dabei seien mehr als 150.000 mit Betrugsnetzwerken verbundene Konten deaktiviert worden; geteilte Informationen hätten zu 21 Festnahmen durch die thailändische Polizei beigetragen.
Die Netzwerke hinter solchen Zentren betrieben „im Grunde vollständige kriminelle Geschäftsbetriebe", sagte David Agranovich, bei Meta Director of Global Threat Disruption, vor Journalisten. „Sie rekrutieren Arbeitskräfte, schulen sie in Social-Engineering-Techniken und führen koordinierte plattformübergreifende Betrugskampagnen durch, die Menschen auf der ganzen Welt ins Visier nehmen."
Neben der Zusammenarbeit mit Behörden führt Meta neue Funktionen ein, die Betrug früher erkennen sollen: Warnungen vor verdächtigen Facebook-Freundschaftsanfragen, Hinweise, wenn Betrüger versuchen, WhatsApp-Konten von Opfern mit eigenen Geräten zu verknüpfen, sowie erweiterte KI-Systeme zur Erkennung von Betrugsnachrichten im Messenger. Die meisten Betrugsanzeigen würden automatisch erkannt; laut Agranovich wurden 92 Prozent der 159 Millionen entfernten Anzeigen entfernt, bevor sie jemand meldete.
Auf die Frage, wie viel Werbeumsatz aus später als Betrug eingestuften Anzeigen stamme, nannte Agranovich keine Zahl, wies aber den Reuters-Bericht zurück: Der Wert von zehn Prozent sei „irreführend" und eine „zu weit gefasste Schätzung, die Anzeigen enthielt, die gar nicht gegen unsere Betrugsrichtlinien verstießen". Betrug schade letztlich dem Unternehmen selbst, sagte er.
Die Reuters-Recherche befeuerte in Washington Forderungen nach schärferer Kontrolle. Im November forderten die Senatoren Richard Blumenthal und Josh Hawley FTC und SEC auf zu prüfen, ob Meta von Betrugswerbung profitiert habe. Im Februar brachten die Senatoren Ruben Gallego und Bernie Moreno den überparteilichen SCAM Act ein, der soziale Netzwerke verpflichten würde, „angemessene Schritte" zur Überprüfung von Werbetreibenden zu unternehmen.
Kürzlich unterzeichnete Präsident Donald Trump eine Verfügung zu Cyberkriminalität, Betrug und Betrugszentren, die auf Koordination der Strafverfolgung, Diplomatie und Entschädigung der Opfer setzt. In Großbritannien stellte die Regierung eine neue Betrugsstrategie vor, die mehr Verantwortung auf Telekommunikations-, Technologie- und Finanzunternehmen verlagern soll. Meta will, dass verifizierte Werbetreibende bis Ende 2026 für 90 Prozent seines Werbeumsatzes stehen, gegenüber heute 70 Prozent.
