Claroty beschreibt die untersuchten Systeme als zentral für den Betrieb großer Rechenzentren. Die Analyse umfasst mehr als 750.000 Assets, darunter etwa 191.000 OT-Systeme und 174.000 Infrastruktur-Assets. Letztere umfassen laut dem Unternehmen unter anderem HLK, Stromüberwachung und -verteilung, Brandmanagement und USV-Systeme.

Besonders auffällig ist die Diskrepanz zwischen direkt exponierten und indirekt erreichbaren Systemen. Weniger als 1.000 Infrastruktur-Assets, also 0,4 Prozent, sind laut Claroty unmittelbar aus dem Internet erreichbar. Gleichzeitig befinden sich aber etwa 32.000 Systeme oder 18 Prozent nur einen Netzwerksprung von internetexponierten Systemen entfernt, die einen potenziellen Zugangsvektor für Angreifer darstellen.

Claroty weist darauf hin, dass sich von solchen Zugangspfaden aus weitere Risiken in CPS-Umgebungen erschließen können. Das Unternehmen nennt dabei unsichere Kommunikationsprotokolle, bekannte und bereits aktiv ausgenutzte Schwachstellen, unverwaltete Fernzugriffstechnologien, flache Netzwerkarchitekturen, schwache Authentifizierungsmechanismen und fehlkonfigurierte Kommunikationsbeziehungen zwischen Assets.

Nach Darstellung von Claroty hätte ein erfolgreicher Zugriff auf die operative Infrastruktur von Rechenzentren weitreichende Folgen für kritische Funktionen. Das Unternehmen erklärt, Angriffe auf CPS innerhalb von Rechenzentren könnten Kühlprozesse stören, die Stromverteilung beeinträchtigen, Umgebungssteuerungen kompromittieren, Backup-Erzeugungssysteme behindern und die allgemeine betriebliche Widerstandsfähigkeit verschlechtern.

Die Auswertung nennt auch konkrete Systemklassen mit erhöhtem Risiko. So seien 41 Prozent der Stromverteilungseinheiten und 32 Prozent der HLK-Systeme nur einen Netzwerksprung von einer riskanten Internetanbindung entfernt. Damit rücken gerade jene Komponenten in den Fokus, die für Energieversorgung und Klimatisierung entscheidend sind.

Weitere Sicherheitsprobleme identifizierte Claroty bei Gebäudemanagementsystemen. Diese kommunizieren dem Bericht zufolge in 88 Prozent der Fälle über unsichere Protokolle. In 40 Prozent der Fälle verwenden sie zudem veraltete Firmware.

Hinzu kommen bekannte Schwachstellen, die bereits bei realen Angriffen ausgenutzt wurden. Claroty entdeckte nach eigenen Angaben Tausende Geräte, die von solchen Lücken betroffen sind. Allein bei OT-Steuerungssystemen, zu denen SCADA- und PLC-Geräte zählen, fand das Unternehmen 11.000 Systeme mit bekannten, bereits ausgenutzten Schwachstellen.

In seinem Bericht empfiehlt Claroty konkrete Maßnahmen zur Stärkung der betrieblichen Widerstandsfähigkeit von Rechenzentren. Betreiber sollten demnach auf kontinuierliches Exposure-Management, Zero-Trust-Netzwerksegmentierung, die Härtung von Gebäudemanagementsystemen und eine protokollbewusste Bedrohungserkennung setzen.