Nach Angaben von Amazon war SapphireSleet für vier separate Kompromittierungen populärer JavaScript-Pakete im NPM-Repository verantwortlich. Der Bericht nennt typo-crypto als ersten bekannten Fall im März 2025. Im September desselben Jahres folgten demnach die Pakete debug und chalk. Im März 2026 kam offenbar axios hinzu, eine Bibliothek, die laut Amazon mehr als 100 Millionen Mal pro Woche heruntergeladen wird und in zahllosen Webanwendungen und Unternehmensdiensten steckt.

Die Kompromittierung von axios war Sicherheitsforschern zufolge bereits zuvor nordkoreanischen Hackern zugeschrieben worden. Amazon erklärt jedoch, dass die früheren Vorfälle bislang nicht öffentlich mit demselben Bedrohungsakteur in Verbindung gebracht worden seien.

Anfang März hatte Google den Angriff auf axios einem nordkoreanischen Akteur zugeschrieben, den das Unternehmen als UNC1069 verfolgt. Microsoft brachte denselben Vorfall mit Sapphire Sleet in Verbindung und erklärte, dass sich dessen Aktivitäten mit dem überschneiden, was andere Anbieter als UNC1069, BlueNoroff, Stardust Chollima, CageyChameleon und Alluring Pisces verfolgen.

Amazon zufolge nutzten die Angreifer in allen vier Fällen keine Software-Schwachstellen, sondern manipulierten per Social Engineering einen vertrauenswürdigen Maintainer des jeweiligen Pakets. Erst danach veröffentlichten sie ein bösartiges Update. Organisationen, die automatisch die neuesten Versionen einspielten, installierten dadurch unbemerkt Schadsoftware.

Sicherheitsforscher hatten bereits früher darauf hingewiesen, dass Sapphire Sleet eher auf Social Engineering als auf Schwachstellen setzt. Die Angriffe der Gruppe seien darauf ausgelegt, Passwörter, Kryptowertbestände und persönliche Daten zu stehlen.

Amazon meldete die in der Kampagne eingesetzte Malware an die Datenbank Open Source Vulnerabilities. Dort wird sie unter der Kennung MAL-2026-3400 geführt.

Open-Source-Repositorien sind nach Einschätzung des Unternehmens für finanziell motivierte Hacker zu einem immer attraktiveren Ziel geworden. Statt einzelne Organisationen nacheinander anzugreifen, können Angreifer mit der Kompromittierung weniger weit verbreiteter Softwarepakete potenziell gleichzeitig Zugang zu Tausenden nachgelagerten Umgebungen erhalten.

Die Amazon-Forscher formulieren es so: „Wenn ein Angreifer ein weit verbreitetes Open-Source-Paket kompromittiert, ist potenziell jede Organisation betroffen, die von diesem Paket abhängt.“