Nach Darstellung von Amazon hängen die Kompromittierungen von typo-crypto, debug, chalk und axios zusammen und lassen sich Sapphire Sleet zuordnen. Der Bedrohungsakteur ist auch als BlueNoroff und Stardust Chollima bekannt. Die Zuordnung erfolgt laut Amazon mit mittlerer Sicherheit und stützt sich auf gemeinsame Taktiken, Techniken und Verfahren, auf die beobachtete Command-and-Control-Infrastruktur sowie auf verschiedene operative Ähnlichkeiten.
Den zeitlichen Auftakt markierte nach Amazons Einschätzung die Trojanisierung des Pakets typo-crypto im März 2025. Dieses frühe Stadium bewerten die Forscher als Testumgebung für die spätere Kampagne. Im September desselben Jahres folgte dann die Kompromittierung der stark verbreiteten Pakete debug und chalk, die laut Amazon innerhalb von nur zwei Stunden schätzungsweise 10 Prozent der Cloud-Umgebungen betraf.
Im März 2026 richtete sich der Angriff auf axios. Amazon beschreibt axios als eines der populärsten npm-Pakete mit mehr als 100 Millionen wöchentlichen Downloads. Der axios-Vorfall war bereits zuvor öffentlich Akteuren mit Verbindung zur Demokratischen Volksrepublik Korea zugeschrieben worden; Amazon verknüpft ihn nun ausdrücklich mit den früheren Paket-Kompromittierungen.
Als Zugangsweg nennt Amazon Social Engineering gegen die Maintainer der betroffenen Pakete. Auf diesem Weg habe sich der Angreifer Zugriff verschafft und anschließend manipulierte Updates veröffentlicht. Diese schädlichen Aktualisierungen seien dann automatisch an nichtsahnende Nutzer ausgeliefert worden.
Amazon sieht hinter der Kampagne ein finanzielles Motiv. Nach Einschätzung der Forscher zielte der Angreifer bewusst auf populäre Pakete, um sich über die Lieferkette indirekten Zugang zu einer großen Zahl potenzieller nachgelagerter Opfer auf einmal zu verschaffen.
Zugleich hebt Amazon mehrere Entwicklungen hervor, die sich bei den jüngsten Supply-Chain-Angriffen abzeichnen. Demnach werden viele dieser Taktiken durch Künstliche Intelligenz verstärkt und vereinfacht. Laut Amazon hilft sie Angreifern dabei, Code, Dokumentation und Identitäten für Maintainer zu erzeugen.
Als Reaktion verweist Amazon auf ein mehrgleisiges Vorgehen. Dazu gehören die Weitergabe der Erkenntnisse und Bedrohungsinformationen an die Community, die Zusammenarbeit mit OpenSSF und anderen Industriepartnern sowie eine Investition von 12,5 Millionen US-Dollar in die Akrites-Initiative. Diese Initiative soll helfen, kritische Open-Source-Software vor KI-gestützten Angriffen zu schützen.
