Google führt den starken Anstieg behobener Chrome-Sicherheitsfehler auf den erweiterten Einsatz von KI zurück. Nach Angaben des Unternehmens wurden in den beiden jüngsten Versionen Chrome 149 und Chrome 150 insgesamt 1.072 Sicherheitsfehler beseitigt. Diese Zahl liege über der Summe der in den vorherigen 23 Chrome-Meilensteinen geschlossenen Lücken.

Das Unternehmen nutzt große Sprachmodelle nach eigener Darstellung inzwischen entlang der gesamten Schwachstellenbearbeitung. Dazu zählen das Auffinden von Fehlern, die Reproduktion eingereichter Berichte, die Bewertung ihrer Kritikalität, die Zuweisung an zuständige Entwickler, die Erzeugung möglicher Korrekturen und das Erstellen von Tests.

Begonnen hatte Google 2023 damit, Sicherheits-Fuzzing mit LLMs zu verbessern. Danach arbeitete das Unternehmen mit Project Zero an Naptime, einem System, das KI-Modellen spezialisierte Werkzeuge für die Schwachstellenforschung bereitstellte. Später folgte zusammen mit Google DeepMind und Project Zero Big Sleep, ein KI-gestützter Agent zur Schwachstellensuche, der Fehler in der V8-JavaScript-Engine von Chrome und in Grafikkomponenten fand.

Anfang 2026 entwickelte Google außerdem eine auf Gemini basierende Agenten-Umgebung, die den breiteren Chrome-Codebestand nach Schwachstellen durchsucht und dabei Fehlalarme verringern soll. Eines der von diesem System gefundenen Probleme war laut Google ein Ausbruch aus der Chrome-Sandbox, der sich seit mehr als 13 Jahren im Code befand. Bei einer Ausnutzung hätte eine kompromittierte Renderer-Komponente die Sandbox verlassen und den Browser dazu bringen können, lokale Dateien zu lesen.

Damit die KI-Systeme sicherheitsrelevante Operationen besser erkennen, fordert Google seine Entwickler zudem dazu auf, SECURITY.md-Dateien anzulegen, in denen Vertrauensgrenzen und Bedrohungsmodelle beschrieben sind. Nach Darstellung des Unternehmens unterstützen die mehrstufigen KI-Abläufe die vorhandenen Prüfverfahren, während Fuzzing weiterhin wirksam bleibe, um komplexe Schwachstellen aufzuspüren.

Auch im Chrome Vulnerability Reward Program verzeichnet Google nach eigenen Angaben deutlich mehr Einsendungen. Bis März 2026 seien mehr Sicherheitsfehler gemeldet worden als im gesamten Jahr 2025. Daraufhin habe Google das Programm angepasst, um Berichte zu priorisieren, die das ergänzen, was die eigenen automatisierten Werkzeuge bereits finden und verarbeiten.

Parallel automatisiert das Unternehmen die Triage von Schwachstellenmeldungen. Dazu gehören das Aussortieren von Spam und Duplikaten, die Reproduktion von Proof-of-Concept-Exploits, die Vergabe von Schweregraden und die Weiterleitung an die passenden Entwickler. Google schätzt, dass dieser Prozess jeden Monat Hunderte Stunden Entwicklerzeit einspart.

Ist eine Schwachstelle bestätigt, erzeugen laut Google Korrektur-Agenten mehrere potenzielle Patches, während ein weiterer Agent die vorgeschlagenen Änderungen bewertet und zusätzliche Informationen für die Entwickler bereitstellt. Im Mai hätten diese Systeme nach Unternehmensangaben verhindert, dass mehr als 20 Schwachstellen in die Produktionsumgebung gelangten, darunter ein als kritisch eingestuftes Problem.

Google betont zugleich, dass schnelleres Finden und Beheben von Schwachstellen auch eine schnellere Auslieferung von Patches erfordert. Sobald eine Sicherheitskorrektur in den öffentlichen Chrome-Quellcode übernommen wird, können Angreifer die Änderung untersuchen und versuchen, die zugrunde liegende Schwachstelle zu rekonstruieren, bevor das Update die Nutzer erreicht.

Um diese Lücke zu verkleinern, stellt Google Chrome auf einen Zwei-Wochen-Rhythmus für Hauptversionen mit wöchentlichen Sicherheitsupdates um und testet zwei Sicherheitsveröffentlichungen pro Woche. Zusätzlich entwickelt das Unternehmen „dynamisches Patchen“, damit Chrome Updates ohne Browser-Neustart anwenden kann. Ab Chrome 150 auf macOS kann der Browser im Hintergrund ohne geöffnete Fenster automatisch neu starten, um ein ausstehendes Update einzuspielen.