Ausgangspunkt der von Wiz analysierten Angriffskette war die Gremlin-API von Azure Cosmos DB. Dabei handelt es sich um eine verbreitete Graph-Abfragesprache, die auf einer eigenen Gremlin-Engine basiert. Diese kompiliert Abfragen in .NET-Code, der in einer Sandbox ausgeführt wird. Nach Angaben von Wiz setzte diese Engine zwar Beschränkungen durch, um Zugriffe außerhalb von Gremlin-Operationen zu verhindern, berücksichtigte jedoch keine .NET-Reflection.

Wiz nutzte diese Eigenschaft nach eigener Darstellung, um primitive Bausteine für beliebige Codeausführung zu konstruieren. Durch die Umgehung der Gremlin-Sandbox sei so Codeausführung auf dem DB Gateway möglich geworden, also auf einem Dienst, der Kundenabfragen stellvertretend ausführt und auf mandantenfähigen Service-Fabric-Clustern läuft.

Im nächsten Schritt stellte das Sicherheitsunternehmen fest, dass das Gateway einen Signaturschlüssel verwendete, um die Primärschlüssel von Kundenkonten abzurufen und auf deren Datenbanken zuzugreifen. Dieser Signaturschlüssel funktionierte laut Wiz mandanten-, regionen- und sogar API-übergreifend. Wiz bezeichnete ihn als „Cosmos Master Key“.

Mit diesem Schlüssel konnten die Forscher nach eigenen Angaben auf einen Konfigurationsspeicher zugreifen, der Details zu jedem Cosmos-DB-Konto enthielt, darunter Namen, Abonnement-IDs, Mandanten-IDs und weitere Konfigurationsdaten. Da dieser Konfigurationsspeicher selbst eine Cosmos-DB-Datenbank war, ließ er sich laut Wiz mit der vollen Flexibilität der SQL-Engine von Cosmos DB abfragen. Zudem habe sich mit dem „Cosmos Master Key“ auch dessen Primärschlüssel abrufen lassen.

Damit wäre es möglich gewesen, alle Cosmos-DB-Konten einer Region aufzulisten oder gezielt nach einer bestimmten Mandanten-ID zu suchen, um die Datenbanken einer konkreten Organisation zu identifizieren. Ein Angreifer mit dem dienstweiten Schlüssel und Zugriff auf den Konfigurationsspeicher hätte so laut Wiz sämtliche Cosmos-DB-Konten auflisten, filtern und anschließend den Primärschlüssel eines Zielkontos abrufen können. Das hätte vollständigen Lese- und Schreibzugriff auf alle Datenbanken dieses Ziels ermöglicht.

Nach Angaben von Wiz wäre der Angriff auch gegen private und netzwerkisolierte Cosmos-DB-Konten möglich gewesen, ebenso gegen Microsofts eigene Datenbanken. Die Firma meldete die Schwachstelle Microsoft im November 2025. Innerhalb von zwei Tagen spielte Microsoft einen Hotfix ein, um den Angriffsweg zu blockieren. Im Juli schloss das Unternehmen dann die Verteilung einer langfristigen architektonischen Korrektur in allen Regionen ab.

Microsoft erklärte, man habe Zugriffsprotokolle umfassend überprüft und keine Hinweise auf unbefugte Aktivitäten außerhalb der Tests der Forscher gefunden. Zudem seien keine Kundendaten abgerufen worden. Nach Angaben des Unternehmens ist keine Aktion durch Kunden erforderlich.