Minnesota IT Services erklärte, die Angriffe auf die Wassersysteme des Bundesstaats wiesen Gemeinsamkeiten auf, darunter der zeitliche Ablauf und die eingesetzte Technik. Ob in allen Fällen derselbe Täter verantwortlich ist, hätten die Ermittler aber noch nicht festgestellt.
Das FBI untersucht die Vorfälle. Ein Sprecher wollte nicht sagen, wen die Behörde derzeit für verantwortlich hält. Bereits in der vergangenen Woche hatten das FBI, die Cybersecurity and Infrastructure Security Agency und andere Behörden in einer gemeinsamen Warnung mitgeteilt, dass iranische Hacker Wasser- und Abwassersysteme sowie Betriebssteuerungen anderer kritischer Infrastrukturen angreifen.
Cynthia Kaiser, frühere stellvertretende Assistant Director der Cyber-Abteilung des FBI und heute Senior Vice President von Halcyons Ransomware Research Center, verwies auf die „geopolitischen Motive“ Irans und auf frühere Angriffe auf Wassersysteme. Sie sagte, die jüngsten Vorfälle sollten aus ihrer Sicht so behandelt werden, als stammten sie aus Iran, bis das Gegenteil bewiesen sei. Kaiser beobachtet nach eigener Aussage seit Längerem Bedrohungen für kritische Infrastrukturen durch mit dem Land verbundene Hacker.
Das Interesse Irans an Wassersystemen in den USA reicht laut dem Bericht Jahre zurück. 2016 erhob das US-Justizministerium Anklage gegen eine Gruppe iranischer Hacker im Zusammenhang mit einem Cyberangriff auf einen kleinen Staudamm nahe New York City.
Nach Angaben von Minnesota IT Services gab es bis Donnerstag keine aktiven Aufforderungen an Gemeinden im Bundesstaat, den Verbrauch von Trinkwasser anzupassen. Die Behörde betonte zugleich, dass die meisten bestätigten Angriffe Technik betrafen, mit der Wassersysteme ihre Ausrüstung aus der Ferne überwachen und steuern. Der Status „betroffen“ bedeute in diesem Zusammenhang bestätigte bösartige Aktivität an dieser Technik, nicht zwingend eine unterbrochene Wasserversorgung.
Konkrete Auswirkungen gab es in einzelnen Städten. In Braham bat die Stadtverwaltung die Einwohner am Montag für einige Stunden, den Wasserverbrauch zu minimieren, während sie klärte, warum das Wasserwerk ausgefallen war. Die Stadt mit rund 1.700 Einwohnern, etwa 70 Meilen nördlich von Minneapolis, teilte in einer Mitteilung mit, dass der Ausfall auf einen Cyberangriff zurückgehe. Probleme mit der Wasserqualität habe es nicht gegeben.
Nach Angaben der Stadt schalteten die Angreifer die Betriebssteuerungen ab, die den Brunnen und die Wasseraufbereitungsanlage stilllegten. Dadurch konnte Braham zeitweise nur das Wasser bereitstellen, das im Wasserturm gespeichert war.
Auch Plymouth meldete einen Cyberangriff. Die Stadt mit rund 80.000 Einwohnern außerhalb von Minneapolis erklärte in sozialen Medien, die Kommunikation ihrer Wasserinfrastruktur sei bis Dienstagnachmittag wiederhergestellt worden. Während der Störung habe das Betriebspersonal das System weiter betreiben können; Auswirkungen auf Wasserstand oder Wasserqualität habe es nicht gegeben.
