Fingrid erklärte gegenüber Recorded Future News, dass die Telekommunikationsverbindung mit dem Auslaufen des aktuellen Mietvertrags abgeschaltet wird. Ein Unternehmenssprecher sagte, die zwei Telekommunikationsverbindungen seien Teil der grenzüberschreitenden Stromübertragungsverbindung zwischen Finnland und Russland gewesen. Diese Stromverbindung sei 2022 eingestellt worden, die zugehörige physische Infrastruktur inzwischen abgebaut.

Wie viele Datenströme konkret betroffen sind, haben die Behörden nicht ausgeführt. Nach Einschätzung von Fingrid sind die Folgen für die Telekommunikationsverbindungen zwischen beiden Ländern jedoch „sehr begrenzt“.

Zur Zahl der betroffenen Leitungen gibt es unterschiedliche Angaben. Die finnische Zeitung Helsingin Sanomat berichtete in dieser Woche, dass nur ein Glasfaserkabel betroffen sei. Frühere Berichte der russischen Wirtschaftszeitung Kommersant legten dagegen nahe, dass mehrere Kabel getrennt werden könnten.

Kommersant schrieb unter Berufung auf anonyme Quellen aus der Telekommunikationsbranche, Fingrid habe russische Telekommunikationsanbieter gewarnt, die Wartung von Strommasten einzustellen, die Glasfaser-Infrastruktur für Telekommunikation tragen. Demnach verhandeln die Betreiber mit finnischen Telekommunikationsunternehmen über alternative Routen.

Russlands staatlicher Netzbetreiber Rosseti teilte Kommersant mit, dass der Abschnitt der grenzüberschreitenden Übertragungsleitung unter eigener Kontrolle seit 2022 nur eingeschränkt betrieben werde und keine Stromübertragung mehr stattfinde. Das Unternehmen erklärte zudem, die Infrastruktur solle stattdessen für inländische Anforderungen des Stromsektors umgenutzt werden. Informationen über den Status des finnischen Leitungsabschnitts habe Rosseti nach eigener Darstellung nicht erhalten.

Laut Kommersant könnte der Schritt die Redundanz des internationalen Internetverkehrs für den Nordwesten Russlands verringern. Quellen aus der Branche sagten der Zeitung jedoch, die Auswirkungen auf die Internetanbindung insgesamt dürften begrenzt bleiben, weil sich Datenverkehr über andere internationale Verbindungen umleiten lasse, darunter Routen über Belarus, die baltischen Staaten und Unterseekabel in der Ostsee. Recorded Future News konnte die Berichterstattung von Kommersant nach eigenen Angaben nicht unabhängig verifizieren.

Vor der Aussetzung des Stromhandels betrieb Fingrid drei 400-Kilovolt- und zwei 110-Kilovolt-Leitungen zwischen Finnland und Russland. Nach Angaben von Kommersant wurden darüber 2021 Stromimporte von 9,1 Terawattstunden nach Finnland übertragen. Fingrid gehört zur Hälfte dem finnischen Staat, die übrigen Anteile halten Finanz- und Versicherungsinstitutionen.

Der Schritt fällt in eine Phase stark verschlechterter Beziehungen zwischen beiden Ländern seit Moskaus großangelegtem Angriff auf die Ukraine und Finnlands anschließendem NATO-Beitritt. Finnische Behörden haben wiederholt vor russischen Einflussoperationen und Sabotage gegen kritische Infrastruktur gewarnt, darunter Telekommunikationsnetze und Unterseekabel. Der finnische Sicherheits- und Nachrichtendienst erklärte 2023, der Kreml betrachte Finnland inzwischen als feindliches Land.