Im Zentrum des Vorhabens steht das Cyber Innovation Warfare Center, kurz CIWC. Dessen Aufgabe ist es, die Entwicklung von Cyber-Werkzeugen und Online-Taktiken des Kommandos zu beschleunigen und die Zeitspanne zwischen einer Technologiedemonstration und der Beschaffung durch die Bundesregierung zu verkürzen. Ziel ist, solche Werkzeuge schneller in digitalen Operationen einsetzen zu können. Die beiden weiteren Organisationen unter „CYBERCOM 2.0“ sind eine Cyber Talent Management Organization sowie ein Advanced Cyber Training and Education Center.
Katie Sutton, stellvertretende Verteidigungsministerin für Cyberpolitik, beschrieb das Zentrum auf der TechNet-Cyber-Konferenz in Baltimore im vergangenen Monat als „unser Testfeld, eine kollaborative Umgebung, in der Betreiber und Industrie Seite an Seite sitzen werden, um neue Konzepte gegen realistische Bedrohungen und Einsatzszenarien zu erproben“. Das CIWC werde, so Sutton weiter, Einsatzkräfte und Entwickler aus der Industrie „in denselben Raum bringen, damit sie auf Grundlage von Rückmeldungen aus der realen Praxis gemeinsam entwickeln und iterieren können“, indem eine direkte Verbindung zwischen den Werkzeugentwicklern und ihren Anwendern geschaffen werde.
Die Idee einer Westküsten-Niederlassung, die langfristig einen Teil der Mission dieses Innovationszentrums beherbergen soll, entstand den Quellen zufolge aus Gesprächen zwischen Cyber Command und dem Pentagon. Dort habe sich der stellvertretende Verteidigungsminister Steve Feinberg besonders dafür eingesetzt, die Cyber-Fähigkeiten des Landes auszubauen.
Mit dem Schritt nach Kalifornien will das Kommando den Quellen zufolge enger mit etablierten und aufstrebenden Technologieunternehmen zusammenarbeiten. Zwar seien viele führende Softwarefirmen, darunter auch namhafte Unternehmen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz, bereits im Raum Washington präsent. Eine Schwesterstelle in Kalifornien soll jedoch den Zugang zu weiteren Firmen erleichtern und zugleich helfen, neue Cyber-Talente zu finden, die später als Operatoren tätig werden könnten.
Offizielle Bestätigungen gibt es bislang nicht. Sprecher des Pentagon und von Cyber Command erklärten, man habe „derzeit nichts anzukündigen“. Unklar ist laut Bericht auch, wie weit die Pläne innerhalb der nationalen Sicherheitskreise oder im Kongress bekannt sind. Mehrere Quellen aus dem Kongress hätten angegeben, mit der Idee nicht vertraut zu sein.
Republikaner Don Bacon aus Nebraska, Vorsitzender des Cyber-Unterausschusses im Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses, begrüßte die Nachricht gegenüber Recorded Future News. Es gebe „große Synergien“, wenn Cyberkräfte mit dem Silicon Valley zusammenarbeiteten. Künstliche Intelligenz etwa verändere offensive und defensive Cyber-Operationen.
Auch der frühere stellvertretende Kommandeur von U.S. Cyber Command, der pensionierte Air-Force-Generalleutnant Charlie „Tuna“ Moore, nannte die Einrichtung eines Innovationsarms im Cyber-Bereich eine „sehr gute Idee“ und ein Zeichen für die weitere Reifung des Kommandos. Den Standort im Westen bezeichnete er wegen der dort ansässigen Organisationen und Talente als klug. Cyber-Command-Operationen ließen sich nur dann in Kapazität und Fähigkeiten so ausbauen, dass sie den Anforderungen des Landes entsprächen, wenn die Partnerschaft mit dem Privatsektor deutlich enger werde, sagte Moore.