Kirby arbeitet nach eigenen Angaben seit jeher mit Technologie. Der Schritt von der allgemeinen IT in die Cybersicherheit sei jedoch nicht geplant gewesen, sondern aus einer Notwendigkeit entstanden: Ein früherer Arbeitgeber habe jemanden für diese Aufgabe gebraucht, er habe die Herausforderung angenommen – und festgestellt, dass ihm das Gebiet liege. Später übernahm er eine ähnliche Funktion in einer großen globalen Organisation, Hewlett Packard, wo er als globaler Leiter und Direktor des Bereichs Enterprise Services Information Security Directorate tätig war.

Vor seiner aktuellen Rolle bei Ping Identity war Kirby CISO bei Creditsafe und anschließend CISO bei ForgeRock. Bei Ping Identity verantwortet er als globaler CISO Unternehmenssicherheit, Produktsicherheit, GRC und Datenschutz. Dass sich diese Laufbahn so ergeben habe, führt er auch auf die Bereitschaft zurück, Chancen entschlossen zu ergreifen. Sein Verständnis von „Glück“ beschreibt er als Überzeugung und Mut, eine erkennbare Gelegenheit tatsächlich zu nutzen.

Als prägendsten Ratschlag nennt Kirby eine bekannte Maxime: Man solle nicht zulassen, dass Perfektion dem Guten im Weg steht. Vollständige Perfektion anzustreben, könne sinnvolle Maßnahmen blockieren. Als Beispiel beschreibt er das Ziel, Vorfälle ohne jede Unterbrechung zu bewältigen. Manchmal sei aber gerade eine drastische, unmittelbare Maßnahme die richtige Entscheidung.

Führung versteht Kirby weniger als erlerntes Ideal denn als Ergebnis seiner Arbeitsweise. Er habe stets gern Ordnung in unübersichtliche Situationen gebracht, Teams strukturiert und Menschen gefördert. In Projekten habe er Führungsverantwortung oft dort übernommen, wo andere sie nicht ergriffen. Diese faktische Führungsrolle habe schließlich dazu geführt, dass ihm die Aufgabe dauerhaft übertragen worden sei.

Beim Aufbau von Sicherheitsteams achtet Kirby zwar auf technisches Wissen und ein breites Verständnis für Cybersicherheitsthemen, entscheidend ist für ihn aber Begeisterung. Gerade bei jüngeren Bewerbern würde er nach eigener Aussage eher jemanden mit echtem Interesse bevorzugen als eine Person mit vollständigen Qualifikationen, die jedoch desinteressiert wirke. Seine Orientierung für Teammitglieder ergänzt den eigenen Leitsatz um einen zweiten Punkt: weitermachen und unterwegs Fragen stellen.

Als zentrale Eigenschaft auf C-Level nennt Kirby die Fähigkeit, weiter zuzuhören, wenn jemand die eigenen Überzeugungen infrage stellt. Wer als CISO erfolgreich sein wolle, müsse das große Ganze betrachten, daraus die Details ableiten und zugleich verstehen, wie einzelne Teammitglieder funktionieren. Jedes Unternehmen und jedes Team sei anders.

Die Sicherheitsarbeit selbst beschreibt er als Mischung aus Reaktion und Vorbeugung. Schwachstellen-Scans, Systemhärtung und Penetrationstests seien technisch gesehen zwar Reaktionen auf vorhandene Probleme, zielten aber darauf, diese vor einer Ausnutzung zu beseitigen. Auch bei der Reaktion auf Vorfälle gehe es darum, Schäden proaktiv zu begrenzen. Den größten aktuellen Nutzen von KI sieht Kirby deshalb darin, Verteidiger proaktiver zu machen.

Burnout hält er für ein reales Problem, das CISOs ebenso wie Sicherheitsteams treffen kann. Für sich selbst führt er ausbleibenden Burnout auf seine Begeisterung für die Arbeit zurück. Die Rolle des CISO habe sich stark gewandelt: Früher habe sie abseits des Zentrums stattgefunden, heute im Vorstandsumfeld. Entlastung entstehe aus Freude an der Arbeit und aus einem Netzwerk von Freunden und anderen CISOs, das bei großen Entscheidungen unterstütze.

Diese Entlastung sieht Kirby auch als Führungsaufgabe. CISOs müssten ihre Teams schützen, weil der Druck häufig nicht allein aus dem Unternehmen komme, sondern aus den Anforderungen der Außenwelt. Er schildert, dass er Mitarbeitende gelegentlich ausdrücklich nach Hause geschickt habe, damit sie Zeit mit Familie und Angehörigen verbringen.

Was ihn derzeit am meisten umtreibt, ist nach eigenen Worten – abgesehen von Koffein – KI. Vor allem ihre rasche Verbreitung bereite ihm Sorgen. Er begegnet dem Thema mit Aufklärung, eigener Weiterbildung und Planungen, um Missbrauch zu verhindern und darauf zu reagieren. Zugleich ordnet er KI in ein vertrautes Muster ein: Neue Technologien hätten schon immer neue Sicherheitsängste ausgelöst, von der Diskette bis zum Internet. Gerade diese fortlaufende Veränderung mache Cybersicherheit für ihn aber so interessant.