Ein zentrales Thema der Ankündigungen ist der Einsatz von KI in Sicherheitsprodukten. Astelia hat neue agentische KI-Funktionen für seine Plattform zum Exposure Management vorgestellt. Damit sollen sich Erreichbarkeitsanalysen und Behebungsabläufe über den gesamten Lebenszyklus von Schwachstellen automatisieren lassen. Laut Astelia bewertet die Plattform neu offengelegte Schwachstellen, ihre Erreichbarkeit und ihre betrieblichen Auswirkungen, koordiniert Gegenmaßnahmen zwischen Sicherheits- und IT-Teams und protokolliert alle Aktionen revisionssicher; an entscheidenden Punkten bleibt eine menschliche Freigabe vorgesehen.
Auch Qualys und Tanium bauen ihre Plattformen in diese Richtung aus. Qualys führt mit InstaScan eine scanlose Erkennung in der ETM-Plattform ein. Die Funktion wird von Agent Insta unterstützt und gleicht neu veröffentlichte Herstellerhinweise kontinuierlich mit vorhandener Bestands- und Telemetriedaten ab, statt auf geplante Scans zu setzen. Tanium ergänzt seine Autonomous IT Platform unter anderem um Agentic Performance Analysis, autonom arbeitende Hintergrundagenten für Abläufe von Warnung bis Behebung sowie neue Werkzeuge für External Attack Surface Management und Attack Path Mapping.
Mehrere Anbieter konzentrieren sich auf den Schutz von KI-Umgebungen und KI-Agenten. Drata hat seine Trust Management Platform um AI Agent Governance erweitert, zunächst mit Unterstützung für Anthropic. Legit Security bringt mit VibeGuard 2.0 ein endpunktbasiertes Werkzeug zur Absicherung von KI-Coding-Agenten wie Claude Code, Cursor und GitHub Copilot. Sysdig ergänzt seine CNAPP-Plattform um Sysdig Secure AI mit autonomen Agenten, einem kopflosen Modus für die Integration mit KI-Coding-Agenten und einem GenAI-Assistenten zur Risikoerklärung und Empfehlung von Abhilfen.
Begleitend dazu haben CrowdStrike und Cisco Talos neue Forschungsberichte veröffentlicht. Der Threat Hunting Report 2026 von CrowdStrike kommt zu dem Schluss, dass KI inzwischen fest in modernen Angreiferoperationen verankert ist. Laut Bericht nutzen Bedrohungsakteure KI, um Angriffe zu beschleunigen, Schwachstellen innerhalb weniger Stunden nach öffentlicher Bekanntgabe auszunutzen und Unternehmens-KI-Systeme sowie Software-Lieferketten ins Visier zu nehmen. Cisco Talos beschreibt in eigener Forschung, wie Angreifer KI und große Sprachmodelle in realen Cyberangriffen einsetzen, etwa für Schadcode, Betrugsinfrastruktur sowie schnellere Schwachstellenanalyse und Ausnutzung.
Im Bereich Angriffsfläche, Tests und Abwehr gab es ebenfalls mehrere Neuheiten. Horizon3.ai erweitert NodeZero mit WebApp Pentesting, das Webanwendungen autonom und nach Angaben des Unternehmens produktionstauglich prüfen soll. ProjectDiscovery meldet die allgemeine Verfügbarkeit von Neo v1 sowie ein nutzungsbasiertes Preismodell für kontinuierliche Sicherheitstests über Code, Anwendungen, APIs, Cloud und Netzwerke hinweg. Sevii veröffentlicht die allgemeine Verfügbarkeit eines Moduls für Autonomous Preemptive Security, das externe und interne Cyber-Informationen in autonome Hypothesensuche, Validierung von Exponierungen, Kompromisserkennung und automatische Behebung überführen soll.
Weitere Ankündigungen betreffen Daten-, Identitäts- und Infrastrukturschutz. AvePoint ergänzt seine Confidence Platform um Kinetic Classification zur kontinuierlichen Neubewertung von Datensensibilität in Microsoft 365, Google Workspace und weiteren Geschäftsanwendungen und erweitert Rapid Recovery um neue Wiederherstellungswerkzeuge, darunter Express Recovery für Entra ID. Netskope stellt mit dem DataSec Command Center eine zentrale Steuerungsebene für das Auffinden, Verstehen, Nachverfolgen und Schützen sensibler Daten vor. SailPoint bündelt unter dem Namen SailPoint Identity Security seine Agentic Fabric und Human Fabric, um menschliche, nicht-menschliche und agentische Identitäten kontinuierlich zu erkennen, zu steuern und zu schützen.
Daneben kündigten Huntress, Sectigo, Viakoo, Vicarius und Zimperium weitere Erweiterungen an. Huntress macht RMM Guard für Kunden mit installiertem Agenten kostenlos verfügbar; die Funktion soll unautorisierte Fernwartungswerkzeuge erkennen und blockieren. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer neuen, aktiv ausgenutzten Schwachstelle in N-central RMM. Sectigo bringt mit dem Sectigo Orchestration Gateway eine Automatisierungsschicht für das Zertifikatsmanagement. Viakoo stellt mit Device Configuration Manager ein agentenloses Modul gegen Konfigurationsabweichungen in OT- und IoT-Umgebungen vor. Vicarius berichtet, dass 79 Prozent der Organisationen in den vergangenen zwölf Monaten einen Sicherheitsvorfall im Zusammenhang mit einer bereits inventarisierten Schwachstelle erlebt haben. Zimperium wiederum kündigt mit Deep Insights ein Werkzeug für automatisierte mobile Forensik an, das Angriffszeitlinien aus Belegen rekonstruiert und laut Unternehmen im September 2026 allgemein verfügbar werden soll.
