Der Angriff auf Unitel fiel mit einem wichtigen Schritt für das Unternehmen zusammen: Am 28. Juli startete der Handel der Aktie an der angolanischen Börse BODIVA. Die angolanische Regierung hatte 7,5 Millionen Aktien platziert und damit einen Anteil von 15 Prozent verkauft. Der Erlös lag bei mehr als 300 Milliarden Kwanza, umgerechnet rund 320 Millionen US-Dollar. Die Aktie legte an diesem Tag um fast 25 Prozent zu, gab am folgenden Tag aber um knapp 13 Prozent nach.
Die Auswirkungen des Angriffs waren unmittelbar im Netzbetrieb spürbar. Laut Bericht kam es zu großflächigen Ausfällen über die Netzwerke des Telekommunikationsanbieters hinweg. Unitel konnte 2G- und 3G-Dienste am 30. Juli wiederherstellen und den SMS-Dienst am 31. Juli. 4G- und 5G-Verbindungen sowie einige digitale Dienste bereiteten demnach weiter Probleme.
Wie stark solche Störungen in Angola durchschlagen, zeigt ein Beispiel aus Luanda. Nach einem Bericht von Ver Angola mussten Geschäftsleute in der Hauptstadt am 4. August auf Bargeld ausweichen, weil populäre Finanzdienste wie Multicaixa Express nicht mehr funktionierten. Dem Bericht zufolge entfallen 2025 auf Multicaixa Express 62 Prozent der Finanztransaktionen über Netzwerke.
Unitel dominiert den Mobilfunkmarkt des Landes deutlich. Schätzungen zum Marktanteil reichen laut Bericht von 66 bis 76 Prozent. Trotz begrenzter Konkurrenz ist der Druck hoch, die Dienste schnell wieder stabil bereitzustellen, weil Verbraucher und Unternehmen in Afrika in hohem Maß auf mobile Netze für digitale Dienste angewiesen sind.
Der Vorfall bei Unitel reiht sich in weitere Angriffe auf Telekommunikationsanbieter in Afrika ein. Im April 2025 meldete die MTN Group, die in fast zwanzig Märkten in Afrika und im Nahen Osten aktiv ist, eine Kompromittierung, bei der möglicherweise Daten von mehr als 200 Millionen Kunden offengelegt wurden. Ende 2024 wurde zudem Telecom Namibia erfolgreich kompromittiert; dabei wurden Kundeninformationen im Rahmen eines mutmaßlichen Erpressungsschemas im Internet veröffentlicht.
Zur Einordnung der technischen und organisatorischen Hintergründe verweist der Bericht auf mehrere Experten. Kevin Cardwell, Informationschef von Cybastion, sagte, die Wiederherstellung nach größeren Angriffen auf Telekommunikationsanbieter dauere typischerweise zwischen 24 Stunden und mehreren Tagen, abhängig vom Ausmaß der Kompromittierung und von der Vorbereitung des Betreibers. Organisationen in Regionen mit knappen Budgets sollten davon ausgehen, dass Kompromittierungen unvermeidlich sind, und den Schaden durch eine kleinere Angriffsfläche begrenzen. Länder müssten ihre Hochrisikobereiche identifizieren und Risiken mindern, damit sich Schäden im Ernstfall isolieren lassen, sagte Cardwell.
Cardwell sieht in Afrikas starker Abhängigkeit von mobiler Infrastruktur zudem ein eigenes Risikoprofil, das sich von Sicherheitsmodellen für Festnetzinfrastruktur unterscheidet. Der Angriff auf Unitel zeige auch die Gefahren unzureichender Netzwerksegmentierung in kritischer Infrastruktur.
Eric Howard, Malware-Forscher bei ESET, erklärte, Betreiber kritischer Infrastruktur wie Unitel bräuchten eingeübte Abläufe, um nach einem Cyberangriff schnell wieder arbeitsfähig zu sein. Vorgelagerte Infrastruktur könne zwischen Diensten getrennt werden, damit einzelne Angebote online bleiben. Störungen in Kernbereichen wie regionalem Routing, Authentifizierungsengpässen oder internen Backend-Diensten könnten den Zugriff jedoch weiterhin blockieren.
