Der Dateizugriff läuft über Giteas Endpunkt zur Markup-Darstellung, konkret über POST /{owner}/{repo}/markup. Diese Route erlaubt eine optionale Anmeldung, löst das Repository auf und prüft den Leserzugriff. Bei einer anonymen Anfrage greift diese Prüfung laut Gitea gegen jedes öffentliche Repository, sofern dessen Code-Einheit aktiviert ist. Damit ist auch die Voraussetzung für den Angriff umrissen: Gibt es auf einer Instanz keine öffentlichen Repositories, existiert über diesen Endpunkt kein anonymer Angriffsweg.

Die eigentliche Ursache liegt im Org-Mode-Renderer von Gitea. In Gitea 1.27.0 wurde go-org mit org.New() initialisiert, ohne den standardmäßigen ReadFile-Rückruf der Bibliothek zu ersetzen. In go-org 1.9.1 verweist dieser Rückruf auf ioutil.ReadFile. Die Org-Mode-Direktive #+INCLUDE akzeptiert absolute Pfade und übergibt sie an diesen Rückruf. Ein Angreifer kann daher Org-Mode-Markup einsenden, den Modus „Datei“ wählen und Dateien zurückerhalten, die das Dienstkonto von Gitea lesen darf.

Gitea betont, dass es sich dabei nicht um eine unmittelbare Remotecodeausführung per Einzelschritt handelt. Nach Angaben des Herstellers kann daraus aber eine Befehlsausführung werden, wenn ein Angreifer zunächst app.ini ausliest, daraus INTERNAL_TOKEN extrahiert, anschließend über den internen Logger einen Git-Hook einschleust und diesen bei einem anonymen Clone auslöst. Diese Kette beschreibt Gitea in seiner Sicherheitswarnung. The Hacker News fand nach eigenen Angaben keinen unabhängig veröffentlichten Exploit, der diesen Ablauf demonstriert.

Der Fix wurde in PR #38642 umgesetzt und in PR #38645 zurückportiert. Gitea überschreibt ReadFile nun so, dass ein Include-Pfad in Org-Mode als normal gerenderter Inhalt zurückgegeben wird, statt vom Server-Dateisystem aufgelöst zu werden. Zusätzlich ergänzt der Patch einen Regressionstest für die Darstellung von Include-Pfaden.

Entdeckt wurde CVE-2026-59774 von XBOW Security, einem autonomen Offensiv-Sicherheitssystem; die Triage übernahm Guido Leo. Shai Rod, online als NightRang3r bekannt, meldete dasselbe Problem laut Quelltext unabhängig davon ebenfalls.

Formale Hinweise zur Erkennung veröffentlichte Gitea in der Warnung nicht. Der Quelltext empfiehlt, anonyme POST-Anfragen an /{owner}/{repo}/markup zu prüfen, insbesondere solche mit Org-Mode-Rendering oder mit absoluten Dateisystempfaden. Falls der in der Sicherheitswarnung beschriebene Eskalationspfad versucht wurde, sollten zudem die Hook-Verzeichnisse von Repositories auf unerwartete ausführbare Dateien kontrolliert werden.

Laut Giteas Sicherheitswarnung gibt es keine Hinweise auf Ausnutzung in freier Wildbahn. Bis zum 5. August 2026 war CVE-2026-59774 zudem nicht in CISA’s Katalog der bekannten ausgenutzten Schwachstellen aufgeführt. Nach einem früheren Bericht von The Hacker News war die Dateilese-Funktion vor der formalen Warnung bereits öffentlich angedeutet worden. Die Kette vom Token zur Befehlsausführung stützt sich weiterhin allein auf Giteas eigene Sicherheitswarnung.

Die Schwachstelle reiht sich in eine Phase intensiver Sicherheitsarbeit bei Gitea ein. Im Juni schloss Gitea mit CVE-2026-20896 eine kritische Umgehung der Reverse-Proxy-Authentifizierung in Docker-Images; Bedrohungsakteure wurden laut Quelltext 13 Tage nach Veröffentlichung bei entsprechenden Prüfungen beobachtet. Im Mai wurde zudem mit CVE-2026-27771 ein Fehler in der Zugriffskontrolle der Container-Registry behoben, der Schätzungen zufolge mehr als 30.000 Installationen in über 30 Ländern betraf.