Alperovitch verortet den Cyberraum heute klar im militärischen Kontext. In den USA gilt Cyber seit 2011 offiziell als militärische Domäne, in der NATO seit 2016. Das US Cyber Command wurde 2009 auf Anordnung von Verteidigungsminister Robert Gates eingerichtet, 2010 innerhalb des Strategic Command einsatzbereit und 2018 zu einem eigenständigen Unified Combatant Command aufgewertet. Für Alperovitch folgt daraus, dass Staaten sich im Cyberraum längst auf einem militärischen Schlachtfeld begegnen — auch wenn Cyberespionage allein noch nicht als Krieg gilt.
Gerade bei staatlicher Spionage sieht er einen grundlegenden Unterschied zur klassischen Cyberkriminalität. Kriminelle Akteure wollten schnell und mit möglichst geringem Aufwand Geld verdienen, während staatliche Operationen „langsam und unauffällig“ abliefen. Alperovitch sagt dazu: „Wenn Sie staatliche Akteure in Ihrem Netzwerk entdecken, sind sie mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits seit Wochen oder Monaten dort gewesen.“ Cyberespionage diene nicht nur dem Ausspähen militärischer Fähigkeiten, sondern auch dem Diebstahl geistigen Eigentums. Den Five-Eyes-Staaten — USA, Kanada, Großbritannien, Australien und Neuseeland — schreibt er umfangreiche Fähigkeiten in der Cyberaufklärung zu, grenzt sie aber von Praktiken ab, die er China und Nordkorea zuschreibt: dem Diebstahl geistigen Eigentums zugunsten der eigenen Industrie sowie Lösegeld- und Währungsdiebstahl.
Als Beispiele für cybergestützte Regimewechsel nennt der Beitrag Venezuela und Iran. Im Fall Venezuela wurde Nicolás Maduro laut Quelltext bei einer US-Operation festgenommen und aus dem Land gebracht. General Dan Caine, Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff, erwähnte auf einer Pressekonferenz ausdrücklich das Cyber Command als Teil verschiedener „Wirkungen“, die der Operation vorausgingen. Ob Cyberoperationen auch beim Stromausfall während der Extraktion halfen, bleibt demnach wahrscheinlich, aber unbewiesen.
Für Iran beschreibt der Text die US-israelischen Einsätze „Epic Fury“ und „Roaring Lion“ als Beispiel dafür, wie Cyber direkt kinetische Angriffe vorbereitet. Cyberoperationen hätten iranische Radarverbünde geschwächt und damit die erste Welle von Luftangriffen ermöglicht. Zudem seien Medien, staatliche Kommunikationswege und öffentliche Apps mit psychologischen Cyberoperationen angegriffen worden, um antiregime Botschaften zu verbreiten. Gleichzeitig verweist der Beitrag auf eine Reaktion Irans: CISA warnte am 22. Juli 2026, iranische Akteure würden „speicherprogrammierbare Steuerungen in der gesamten kritischen Infrastruktur der USA“ ausnutzen.
Am deutlichsten wird die Verzahnung von Cyber- und Militäraktionen laut Alperovitch im russischen Vorgehen gegen die Ukraine. Bereits vor der Krim-Annexion lief mit „Operation Armageddon“ eine Cyberspionagekampagne gegen Regierungs-, Strafverfolgungs- und Verteidigungsbehörden; die Ukraine schrieb sie dem FSB zu. Eingesetzt wurden dem Text zufolge auch die von der Turla-APT-Gruppe entwickelten und verbreiteten Schadprogramme Snake und Uroburos. Während der Annexion kappten russische Spezialkräfte und Cyber-Einheiten Kommunikationsverbindungen, störten Regierungstelefone und griffen Websites von Regierung, Medien und sozialen Netzwerken per DDoS an.
Vor der späteren Invasion des ukrainischen Festlands sah Alperovitch nach eigenen Angaben im Cyberraum klare Vorzeichen. Gegenüber SecurityWeek sagte er, die in ukrainischen Systemen beobachteten Eindringversuche hätten sich deutlich von allem unterschieden, was er seit der Krim 2014 gesehen habe, und seien ein klares Signal für die Vorbereitung einer groß angelegten Invasion gewesen. Kurz vor dem Angriff wurden ukrainische Regierungsseiten mit WhisperGate verunstaltet, HermeticWiper traf Hunderte Systeme in den Bereichen Finanzen, Verteidigung, Luftfahrt und IT, IsaacWiper zielte auf Regierungsnetze, und mit Beginn der Invasion störte ein Cyberangriff das Satellitennetz KA-SAT von Viasat. Laut Text wurden dadurch Tausende Modems in der Ukraine und in Europa außer Betrieb gesetzt und vor allem die ukrainischen militärischen Führungs- und Kontrollfähigkeiten stark beeinträchtigt.
Auch ohne offenen Krieg um Taiwan sieht Alperovitch dort ein ernstes Warnsignal. Der Beitrag verweist auf jahrelange chinesische Cyberaktivitäten gegen Taiwan sowie auf eine breite Vorpositionierung in westlicher kritischer Infrastruktur. Als Beispiel nennt er Volt Typhoon, das sich laut Text seit Jahren unauffällig in Sektoren wie Kommunikation, Energie, Verkehr und Wasserversorgung festsetzt. Die angenommene Absicht: China soll im Krisenfall kritische Dienste stören können, falls die USA auf ein Vorgehen gegen Taiwan reagieren. Für Alperovitch ist genau diese aggressive Cyberaktivität das mögliche Warnsignal eines bevorstehenden kinetischen Konflikts.
