Nach Darstellung von OpenAI nutzte das Netzwerk ChatGPT nicht nur zur Kommunikation mit Zielpersonen, sondern auch für interne Abläufe. Dazu gehörten demnach das Verfassen interner Mitteilungen, die Übersetzung von Nachrichten zwischen Mitarbeitern und die Dokumentation von Mitarbeiterschulden, Gehaltsabzügen, Strafzahlungen, Kreditrückzahlungen, Visa-Überziehungen, Arbeitserlaubnissen, Einwanderungsstatus und Anreizen für die Rekrutierung.
Zu den erstellten Werbeinhalten zählten laut OpenAI Anzeigen in sozialen Medien für sogenannte „Chatter“-Jobs in Poipet. Diese richteten sich gezielt an Nutzer in Bangladesch und Indien und versprachen ein Grundgehalt von 800 US-Dollar sowie einen Bonus von 100 US-Dollar für „volle Anwesenheit“. Hinzu kamen Flugtickets, kostenlose Unterkunft, Verpflegung, ein kambodschanisches Visum für ein Jahr und Arbeitserlaubnisse.
OpenAI zufolge liefen mehrere Betrugsarten parallel. Die Akteure hätten unter anderem Dating-Personas verwendet, um Vertrauen aufzubauen und Zielpersonen anschließend in betrügerische Anlageangebote rund um Kryptowährungen und den Handel mit Kassagold zu lenken. Daneben führten sie längere romantische Gespräche unter synthetischen Identitäten oder gaben sich als Vertreter von Online-Glücksspielplattformen aus, die angebliche Boni und Gewinne in Aussicht stellten.
Andere Konten innerhalb des Verbunds imitierten laut OpenAI Strafverfolgungsbehörden. Ziel sei gewesen, künstlichen Zeitdruck zu erzeugen und Betroffenen mitzuteilen, sie müssten wegen schwerer Straftaten Geldstrafen bezahlen. Für diese Maschen habe das Netzwerk gefälschte Dating-Profile, erfundene Anlageexperten und betrügerische Behördenidentitäten betrieben. Zudem seien Bilder gefälschter Dokumente erzeugt worden, darunter Pässe, rechtliche Mitteilungen, Bestätigungen über Aktienkäufe und Oberflächen von Glücksspielplattformen.
Die von OpenAI beschriebene Angriffskette folgt einem dreistufigen Muster, das das Unternehmen als „Ping-Zing-Sting“ bezeichnet. Demnach erfolgt zunächst die Kontaktaufnahme über Messenger-Plattformen wie WhatsApp und Telegram, gefolgt von einer Phase des Vertrauensaufbaus. Anschließend werden die Zielpersonen aufgefordert, Einzahlungen zu leisten, Aktivierungsgebühren zu zahlen oder nicht existente Geldstrafen zu begleichen. Als vermeintlicher Nachweis dienen danach gefälschte Bildschirmfotos von Überweisungen oder Kontoinformationen.
Ein Teil der von OpenAI untersuchten Konten erzeugte nach Angaben des Unternehmens Inhalte, die mit Menschenhandel und Zwangsarbeit in Verbindung mit organisierter Kriminalität in Ostasien vereinbar sind. Solche Gruppen würden Menschen mit falschen Versprechen gut bezahlter Jobs anwerben, ihnen dann die Pässe abnehmen und sie zu Arbeit unter sklavenähnlichen Bedingungen zwingen.
Wie hoch die finanziellen Schäden des Netzwerks insgesamt sind, ist laut OpenAI unbekannt. Auf Basis der eigenen Kommunikation der Betrüger könne die Operation jedoch mit Hunderten Zielpersonen über mehrere Betrugsarten hinweg interagiert haben. In Nutzerkonversationen sei von einzelnen Opfern die Rede, die Tausende US-Dollar verloren hätten; unabhängig verifizieren konnte OpenAI diese Angaben nach eigener Aussage nicht.
