Nach Darstellung der US-Behörden war Silnikau die organisatorische und technische Schlüsselfigur hinter Ransom Cartel. Er soll ein Bewertungssystem betrieben haben, das besonders erfolgreiche Partner belohnte, und Lösegeldzahlungen über Kryptowährungs-Mixer geschleust haben. Die Gruppe arbeitete als Ransomware-as-a-Service-Modell, bei dem angeschlossene Akteure die eigentlichen Angriffe ausführten.

Das Justizministerium schreibt den Verschwörern zwischen 2021 und 2023 Attacken auf mindestens 18 Unternehmen zu. In Virginia erhoben die Staatsanwälte sieben Anklagepunkte und gaben Verurteilungen in drei Punkten bekannt. Die Mitteilung nennt weder eine Summe für Rückerstattung oder Einziehung noch, ob Silnikau sich schuldig bekannte oder nach einem Prozess verurteilt wurde.

Die jetzt verhängte Strafe liegt über dem Strafmaß gegen Yaroslav Vasinskyi, der 2024 zu 13 Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt wurde. In dessen Fall ging es um mehr als 2.500 REvil-Angriffe und Lösegeldforderungen von über 700 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig ist der Fall gegen Silnikau nicht vollständig abgeschlossen: Ein zweites Bundesverfahren in New Jersey ist weiterhin offen, und die beiden dort mitangeklagten Männer sind noch flüchtig.

Unklar war lange, wann Ransom Cartel tatsächlich begann. Die Staatsanwaltschaft datiert den Start auf Mai 2021, während Unit 42 von Palo Alto Networks die Gruppe erst Mitte Januar 2022 beobachtete. Die Anklageschrift, die im Juni 2023 eingereicht und 2024 entsiegelt wurde, schließt diese Lücke laut dem Bericht: Demnach führte Silnikau die Operation seit Mai 2021 unter einem anderen Namen, benannte sie Ende 2021 in „Ransom Cartel“ um und versuchte anschließend, sie über Sicherheits-Nachrichtenseiten bekannt zu machen.

Dasselbe Dokument enthält auch eine Anzeige, die die Gruppe am 4. Mai 2021 in einem russischsprachigen Cybercrime-Forum veröffentlicht haben soll. Gesucht wurde demnach Zugang zu Unternehmensnetzwerken überall außerhalb der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Die Täter filterten nach Größe der Opfer und legten eine Untergrenze für Zahlungen fest: „Umsatz: ab 10 Millionen US-Dollar. Preise ab 100 US-Dollar aufwärts.“

Die letzte angeklagte Handlung datiert auf den 25. April 2023. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft verhandelte Silnikau an diesem Tag Bedingungen für die Bereitstellung von zu verschlüsselnden Computern. Drei Monate später wurde er im Juli 2023 festgenommen; die Staatsanwälte erklären, dies habe das Wachstum von Ransom Cartel gebremst. Polen lieferte ihn im August 2024 an die Vereinigten Staaten aus.

Eine direkte Gleichsetzung von Ransom Cartel mit REvil stützt der Bericht nicht. Unit 42 bezeichnete Ransom Cartel nie als Umbenennung von REvil. In einer Analyse aus dem Jahr 2022 kam die Forschungsgruppe zu dem Schluss, dass die Betreiber zwar über den ursprünglichen REvil-Quellcode verfügten, offenbar aber nicht über die von dieser Gruppe genutzte Verschleierungs-Engine. Die Forscher vermuteten lediglich, dass es zu irgendeinem Zeitpunkt Verbindungen zwischen den Gruppen gegeben habe. Weder die Anklageschrift noch die Mitteilung zur Verurteilung erwähnen REvil.

Unabhängig davon wurde Silnikau in New Jersey zusammen mit Volodymyr Kadariya und Andrei Tarasov wegen des Malvertising-Systems Angler Exploit Kit angeklagt, das von 2013 bis 2022 aktiv gewesen sein soll. Die Mitteilung aus Virginia geht darauf nicht ein. Der Secret Service führt Tarasov weiter als gesucht, und das US-Außenministerium bietet bis zu 2,5 Millionen US-Dollar für Hinweise, die zur Festnahme oder Verurteilung von Kadariya führen.