Nach Angaben der Staatsanwaltschaft rekrutierte Silnikau Komplizen über Untergrundforen und stellte ihnen gestohlene Zugangsdaten, Zugriff auf kompromittierte Netzwerke und Werkzeuge zur Verschlüsselung der Systeme der Opfer zur Verfügung. Zudem soll er die verborgene Online-Infrastruktur der Gruppe betrieben haben. Diese habe es den Mitgliedern ermöglicht, Angriffe zu koordinieren, Lösegeldzahlungen mit Opfern auszuhandeln und kriminelle Erlöse zu verteilen.
Aus Gerichtsunterlagen geht hervor, dass die Ransom-Cartel-Akteure vor der Verschlüsselung sensible Daten entwendeten. Anschließend forderten sie Geld – entweder für einen Entschlüsselungsschlüssel oder für das Versprechen, die gestohlenen Informationen nicht zu veröffentlichen. Zu den mindestens 18 betroffenen Organisationen zwischen 2021 und 2023 zählten auch Unternehmen in Kalifornien, New York und Nebraska.
Sicherheitsforscher hatten Ransom Cartel bereits früher technische Ähnlichkeiten mit der inzwischen eingestellten Ransomware REvil zugeschrieben. Diese wurde von einer bekannten Cybercrime-Gruppe betrieben, die 2021 nach internationalem Fahndungsdruck weitgehend verschwand. Ob Ransom Cartel ein direkter Nachfolger von REvil war oder eine separate Operation auf Basis geleakter oder wiederverwendeter Malware, ist laut Bericht weiterhin unklar.
Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Aktivitäten von Ransom Cartel seien nach Silnikaus Festnahme im Juli 2023 erheblich gestört worden. Festgenommen wurde er 2024 in Spanien. Später wurde er über Polen an die USA ausgeliefert, wo er sich im östlichen Bezirk von Virginia wegen mehrerer Cybercrime-Anklagen verantworten musste.
Silnikau soll außerdem hinter der Entwicklung des Exploit-Kits Angler stehen. Dabei handelt es sich laut Bericht um eines der am weitesten verbreiteten Werkzeuge der Cyberkriminalität aus der Mitte der 2010er Jahre. Die Software wurde über schädliche Online-Werbeanzeigen verbreitet, die Besucher legitimer Websites unbemerkt infizierten und jährlich Einnahmen in Höhe von mehreren zehn Millionen US-Dollar erzeugten.
Mitangeklagt wurden in den USA in Abwesenheit der belarussisch-ukrainische Staatsangehörige Vladimir Kadariya, 38, und der russische Staatsbürger Andrei Tarasov, 33. Gemeinsam mit Silnikau sollen sie nach Angaben der Staatsanwaltschaft 2011 mit Reveton das erste Geschäftsmodell für Ransomware-as-a-Service geschaffen haben. Das Produkt habe auch wenig versierten Cyberkriminellen ermöglicht, gegen Gebühr Ransomware-Angriffe zu starten. Mit Reveton habe die Gruppe zwischen 2012 und 2014 monatlich rund 400.000 US-Dollar von Opfern erpresst.
