Die Aussage fiel in einer Anhörung des Foreign Relations Committee. Auf die Frage von Senatorin Jeanne Shaheen, ob das Thema je mit hochrangigen Vertretern der chinesischen Regierung besprochen worden sei, antwortete Michael DeSombre, Trump habe transnationale kriminelle Organisationen bei Xi Jinping angesprochen.
Im Mittelpunkt der Anhörung standen Betrugszentren, die laut DeSombre und dem weiteren State-Department-Vertreter David Bedard im vergangenen Jahr mehr als 12 Milliarden US-Dollar von Amerikanern erbeutet haben. Beide betonten, dass diese Summe wahrscheinlich zu niedrig angesetzt ist. Nach Darstellung des Außenministeriums werden viele dieser Operationen von chinesischen kriminellen Netzwerken in Kambodscha, Laos und Myanmar gesteuert.
DeSombre sagte, die jüngsten chinesischen Maßnahmen hätten in den vergangenen sechs Monaten den Umfang der Betrugszentren in Kambodscha und Myanmar teilweise spürbar reduziert. Nach seinem Verständnis sei ein wichtiger Treiber, dass die Zentren inzwischen auch chinesische Staatsangehörige ins Visier nähmen. Gerade weil die Zielauswahl auf immer mehr Länder ausgeweitet worden sei, seien auch diese Staaten, darunter China, eher bereit, mit den USA gegen die Zentren zusammenzuarbeiten.
Das Weiße Haus bestätigte auf Anfrage nicht, dass das Gespräch zwischen Trump und Xi stattgefunden hat. China ist in diesem Jahr zugleich sichtbar schärfer gegen die Netzwerke vorgegangen. Laut dem Bericht zwang Peking die kambodschanische Regierung zur Auslieferung mehrerer führender Köpfe von Firmen, die in das System eingebunden waren. Zudem ließ die chinesische Regierung Mitglieder mehrerer Verbrecherfamilien hinrichten, die Betrugszentren in Myanmar betrieben.
US-Vertreter hatten jedoch bereits früher gewarnt, dass chinesische Strafverfolger vor allem Banden verfolgten, die chinesische Bürger betrügen, während andere weiterarbeiten könnten, solange sie Amerikaner ins Visier nähmen. Experten verwiesen außerdem darauf, dass manche Auslieferungen aus Südostasien wohl auch dazu dienten, den USA und anderen Staaten den Zugang zu Führungspersonen der Betrugsnetzwerke zu erschweren, die wichtige Informationen liefern könnten.
DeSombre griff diesen Punkt in seiner Aussage auf. Die USA und andere Staaten setzten die betroffenen Länder diplomatisch unter Druck, damit mutmaßliche Köpfe der Betrugszentren nicht nach China abgeschoben werden, sondern US-Behörden Zugang zu ihnen erhalten. Ziel sei es, nachrichtendienstliche Erkenntnisse zu sichern, gegen sämtliche Hintermänner vorzugehen und zu verhindern, dass diese nach einer Rückführung nach China weiter gegen amerikanische Bürger operieren. Wenn Verdächtige nach China zurückgeschickt würden, gebe es aus US-Sicht kaum Transparenz darüber, was anschließend mit ihnen geschehe.
Bedard sagte, das Bureau of International Narcotics and Law Enforcement Affairs habe FBI-Einsätze in Thailand finanziert. Dort seien US-Mitarbeiter bei jüngsten Störungen von Betrugszentren in Myanmar gemeinsam mit der Royal Thai Police eingebunden gewesen. Dadurch konnten US-Behörden mit Menschen sprechen, die aus den Zentren flohen, und Informationen über Führungspersonal, Abläufe und Vorgehensweisen sammeln. Außerdem untersuchte das FBI mehr als 8.000 Telefone und 1.500 Festplatten. Laut Bedard half das bei mehreren bundesweiten Anklagen und Festnahmen gegen Anführer und Unterstützer der Netzwerke.
DeSombre verwies außerdem darauf, dass das Außenministerium vor zwei Wochen neue Visabeschränkungen für Personen mit Verbindungen zu ausländischen Cyberkriminalitätsnetzwerken angekündigt habe. Außenminister Marco Rubio habe das Thema Betrugszentren zudem im Juli bei einer Konferenz mit dem kambodschanischen Außenminister angesprochen.
In der Anhörung bestätigten DeSombre und Bedard auch, dass sich das Modell inzwischen über Südostasien hinaus ausbreitet. Senator Tim Kaine verwies auf Fälle seit 2023 in Peru, der Dominikanischen Republik und weiteren Ländern. Bedard sagte, Liebesbetrug werde seit Langem aus Nigeria und Côte d’Ivoire betrieben; Callcenter-Betrug aus Indien, Lotteriebetrug aus Jamaika und Timesharing-Betrug aus Südamerika hätten sich im vergangenen Jahrzehnt ebenfalls ausgeweitet. Die Sorge sei, dass die von chinesischen transnationalen kriminellen Organisationen in Südostasien eingesetzten Methoden inzwischen weltweit exportiert würden. Auch aus Sri Lanka gebe es entsprechende Warnsignale.
