Im Zentrum der Arbeit steht HTTP Terminator, ein von James Kettle entwickeltes, KI-gestütztes Forschungssystem. Laut PortSwigger speiste Kettle das System mit 138 RFCs zu HTTP und SMTP. Diese Dokumente wurden in etwa 15.000 kleine Fragmente zerlegt und als Ausgangsmaterial genutzt, um 30.000 einzigartige Kandidaten für Desync-Vektoren zu erzeugen.
Aus dieser Forschung gingen nach Angaben von PortSwigger neue Auslöser für Desynchronisierung, ein Muster mit doppelter Übereinstimmung bei Content-Length und eine „Dangling-Byte“-Technik hervor, die Response Queue Poisoning verlässlicher machen soll. Bei Response Queue Poisoning kann ein Frontend unter Umständen nicht mehr korrekt zuordnen, welche Backend-Antwort zu welchem Nutzer gehört. Dadurch könnten Antworten anderer Nutzer offengelegt werden, darunter Sitzungs-Cookies oder API-Schlüssel.
Eine Technik mit „Content-Type: multipart/byteranges“ funktionierte laut Kettle über mehrere Server-Implementierungen hinweg und legte in der Testmenge mehr als 200 Websites offen, darunter eine nicht namentlich genannte US-Bank. In einem weiteren autonomen Forschungsschritt prüfte das System 16 Ideen zur Verbesserung von Response Queue Poisoning. Übrig blieb nur die Dangling-Byte-Technik. Dabei bleibt eine geschmuggelte Anfrage um ein Byte zu kurz, sodass die zweite Backend-Antwort erst dann erzeugt wird, wenn eine Opferanfrage das fehlende Byte liefert. Laut den Forschern beseitigt das ein Wettlaufproblem, das Response Queue Poisoning auf vielen Websites sonst unzuverlässig macht.
PortSwigger und Kettle veröffentlichten außerdem „Shared-Parser Confusion“, ein breiteres Angriffskonzept, das das System vorgeschlagen und Kettle validiert habe. Kettle, Forschungsleiter bei PortSwigger, erklärte, das Konzept sei entstanden, als HTTP Terminator bemerkte, dass Regeln zur Verarbeitung von Antworten fälschlich auf Anfragen angewandt werden könnten, wenn Server Parsing-Logik wiederverwenden. „Keiner von uns beiden hätte es allein entdeckt“, sagte er.
Gerade an diesem Punkt verläuft laut PortSwigger die Grenze der Autonomie des Systems. Mehrere Techniken habe HTTP Terminator ohne direkte menschliche Entdeckungseingaben erzeugt und nachgewiesen. Sowohl der Apache-Zero-Day als auch Shared-Parser Confusion hätten dagegen weiterhin Kettles Eingreifen erfordert.
In der menschlich angeleiteten Entdeckungskette führte schließlich eine fehlerhaft formatierte Anfrage zu dem Desynchronisierungs-Zero-Day in Apache Traffic Server. Die Forscher erklärten, die Schwachstelle sei inzwischen behoben und werde als CVE-2026-63078 verfolgt. The Hacker News fand jedoch bei einer Prüfung am 7. August weder bei CVE.org noch im NVD einen öffentlichen Datensatz zu CVE-2026-63078. Auch ein Apache-Hinweis aus dem Juli, der 34 Schwachstellen abdeckte, enthielt keinen Eintrag dazu. Damit bleibt laut Bericht eine Verifikationslücke: Die öffentlich genannten Nachweise erlauben es Verteidigern derzeit noch nicht, CVE-2026-63078 einer konkret gepatchten Traffic-Server-Version zuzuordnen.
Zur Abwehr hat sich laut PortSwigger an den Empfehlungen nichts geändert. Das Unternehmen rät dazu, HTTP/1.1 auf der Upstream-Seite zu vermeiden. Wo sich HTTP/1.1 nicht entfernen lässt, empfiehlt PortSwigger, Methoden auf beiden Ebenen über Positivlisten zu begrenzen und einzuschränken, welche Methoden überhaupt Request-Bodys tragen dürfen.
PortSwigger hat HTTP Terminator als Open Source veröffentlicht. In der veröffentlichten Arbeit wird nicht angegeben, welches genaue Modell oder welche Version jede autonome Entdeckung erzeugt hat. Die freigegebene Implementierung nutzt Claude für Dokumentenextraktion und Testfallerzeugung; für die Ermittlungsstufe ist Claude Code erforderlich. Separat veröffentlichten Forscher hinter CRLF-basierten Desync-Angriffen öffentliche Werkzeuge zur Untersuchung dieser Angriffsklasse, darunter crlf-desyncs und crlf-powered-desync-scanner. Kettle testete zudem neuere Modelle in einem Rediscovery-Benchmark und meldete für GPT-5.6 Sol eine Erfolgsquote von 30 Prozent, wenn eine Inspirationstechnik vorgegeben wurde.
