Im Zentrum der Funde stehen laut Genians mehrere Werkzeuge für den lokalen Betrieb von Sprachmodellen: Ollama, GPT4All und Msty. Nach Angaben der Forscher wurden diese Programme nicht nur heruntergeladen, sondern tatsächlich ausgeführt oder eingerichtet. So habe Ollama die bei der ersten Ausführung erzeugten Schlüssel erstellt, während bei GPT4All eine konfigurierte Datenbank namens „localdocs_v3.db“ gefunden wurde. Diese Datenbank wird für die LocalDocs-Funktion genutzt, also für Retrieval-Augmented Generation.

Diese RAG-Funktion erlaubt es einem Modell, Antworten aus einer privaten Dokumentensammlung abzuleiten. Für Genians ist die Datenbank ein Hinweis darauf, dass der Akteur versucht hat, ihm vorliegende Dokumente an ein KI-System anzubinden. Der Bericht betont zugleich, dass sich daraus nicht ableiten lasse, diese Dokumente seien gestohlen worden.

Zusätzlich stießen die Forscher nach eigenen Angaben auf eine Anfrage eines Operators, in der ein Datensatz auf Wallet-Details, Gmail-Zugangsdaten und die Historie von Website-Registrierungen geprüft werden sollte. Die Anweisung endete mit dem Satz: „Je detaillierter die Analyse, desto besser. Bitte gehen Sie dabei nicht schlampig vor.“ Ob diese konkrete Anfrage tatsächlich an einen KI-Dienst übermittelt wurde, konnte Genians nach eigenen Angaben nicht bestätigen.

Die Gruppe blieb dem Bericht zufolge nicht bei fertigen Anwendungen stehen. Auf derselben Infrastruktur fand Genians Entwicklerbibliotheken wie LLaMaSharp, Microsofts Semantic Kernel und Microsoft.Agents.AI. Diese Komponenten dienen dazu, KI-Funktionen in maßgeschneiderte C#- und .NET-Software einzubauen. Außerdem wurden laut Bericht Dateien von OpenAIs Sprach-zu-Text-System Whisper zusammen mit einer Anleitung zum Extrahieren von Text aus Audiodateien entdeckt sowie aktive Spuren von Cursor, einem KI-gestützten Code-Editor.

Genians wertet diese Kombination nicht als Beleg für ein selbst entwickeltes KI-Modell, sondern als systematischen Aufbau einer Werkzeugkette. Neu sei dabei weniger das einzelne Werkzeug als die gezielte Zusammenstellung durch eine staatliche Spionagegruppe, um KI tiefer in den eigenen Angriffsablauf einzubinden.

Die Aktivitäten ordnet Genians der Kampagne „Operation GitPower“ zu. Diese missbrauche GitHub-Repositories als Befehlskanal in einer Infektionskette von LNK zu PowerShell und habe verschlüsselte AsyncRAT-Nutzlasten verbreitet, die als Bilddateien getarnt waren. Fortinet dokumentierte laut dem Bericht im April separat das breitere Muster von GitHub als C2-Kanal bei Angriffen auf Nutzer in Südkorea. Diese Untersuchung stütze die umgebende Technikfamilie, jedoch nicht die neuen Funde zu lokaler KI-Infrastruktur. Reuters berichtete zudem, dass sich die neuen Erkenntnisse nicht unabhängig verifizieren ließen.

Nach bisherigem Stand wurde der neu beobachtete Offline-Stack — also lokale Modelle, RAG-Datenbank und Transkriptionswerkzeuge — in der vorliegenden Berichterstattung noch nicht im Einsatz gegen ein Opfer nachgewiesen. Auch eine Zahl der GitPower-Opfer wurde nicht genannt. Genians führt die Operation auf Kimsuky zurück und verweist dabei auf Überschneidungen mit früheren Kampagnen, Infrastrukturhinweise und nordkoreanisches Vokabular aus Operator-Logs. Das US-Finanzministerium, das Kimsuky 2023 sanktionierte, beschreibt die Gruppe als dem Reconnaissance General Bureau unterstellt und primär auf Informationsbeschaffung ausgerichtet. Bereits 2025 hatte Genians Kimsuky mit einem Spear-Phishing-Angriff in Verbindung gebracht, bei dem mit ChatGPT erzeugte Bilder von Dienstausweisen südkoreanischer Militärangestellter verwendet wurden.