Die Verurteilung betrifft Justin Swaddle, 20, aus Leeds. Wie die NCA mitteilte, bekannte er sich am 2. Juli vor dem Leeds Crown Court in mehreren Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Erpressung schuldig. Verurteilt wurde er nun zu zwei Jahren Gefängnis. Zusätzlich wird er in das National Sex Offenders Register aufgenommen und unterliegt für zehn Jahre einer Sexual Harm Prevention Order.
Laut NCA hatte Swaddle junge und verletzliche Opfer auf der ganzen Welt ins Visier genommen. NCA-Operationsmanagerin Danielle Pownall erklärte, er habe sie missbraucht und eingeschüchtert, um sie zu schockierenden Selbstverletzungen und sexuellen Handlungen zu drängen, allein um bei Gleichaltrigen im Internet an Ansehen zu gewinnen. Nach ihren Angaben gewann er zunächst das Vertrauen der Betroffenen und sammelte dann private Informationen, mit denen er drohte, intime Bilder zu verbreiten oder die Schule beziehungsweise die Eltern der Opfer zu informieren, um weiteres Material zu erzwingen.
Nachdem die NCA die Ermittlungen im Januar 2024 übernommen hatte, identifizierte sie nach eigenen Angaben 117 weibliche Opfer weltweit im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. Bei der Auswertung beschlagnahmter Geräte fanden Ermittler zudem Bilder von Kindern im Alter von drei bis 17 Jahren; mehrere davon zeigten laut Behörde die Folgen von Handlungen, zu denen Swaddle die Betroffenen angestiftet haben soll.
Besonders belastend waren nach Angaben der NCA sichergestellte Telegram-Nachrichten auf Swaddles Gerät. Daraus gehe hervor, dass er versucht habe, ein Kind dazu anzustiften, ein jüngeres Kind sexuell zu missbrauchen und dies für ihn aufzuzeichnen. Falls kein weiteres Material geliefert werde, habe er mit der Veröffentlichung unzüchtiger Bilder gedroht. Außerdem fanden die Ermittler zahlreiche Bilder von Opfern mit Selbstverletzungen, darunter Aufnahmen, auf denen Swaddles Pseudonyme in die Haut eingeritzt worden waren. Hinzu kamen unzüchtige Bilder von Kindern der Kategorien A bis C, wobei A laut NCA die schwerste Kategorie ist.
„The Com“ – kurz für „Community“ – beschreibt der Quelltext als lose organisiertes Online-Kollektiv. Die Gruppe rekrutiert und manipuliert Opfer über Online-Plattformen und zwingt sie häufig mittels Erpressung zu Selbstverletzung, Gewalt und zur Herstellung von Material sexuellen Kindesmissbrauchs. Europol berichtete in diesem Jahr zudem, dass „The Com“ in mehrere Untergruppen gegliedert ist.
Der Fall steht damit in einem größeren Zusammenhang internationaler Ermittlungen. Im Februar führte die von Europol geleitete, ein Jahr andauernde Operation „Project Compass“ zu 30 Festnahmen; 179 Verdächtige wurden mit „The Com“ in Verbindung gebracht. Während einer mehrwöchigen Aktion im Juli ließ Europol zudem 4.340 Internetadressen zur Entfernung markieren, die mit Inhalten rund um die Gruppe verknüpft waren.
Bereits früher war „The Com“ auch mit anderen Delikten in Verbindung gebracht worden. Der Quelltext verweist auf eine Verbindung zu Ransomware-Angriffen auf Casinos in Las Vegas im September 2023 sowie auf die Vorfälle bei den britischen Einzelhändlern Marks & Spencer, Co-op und Harrods im April 2025. Außerdem wurden im April 2025 zwei mutmaßliche 764-Anführer festgenommen: der 21-jährige Leonidas Varagiannis und der 20-jährige Prasan Nepal. Ihnen wird vorgeworfen, einen internationalen Ring zur Ausbeutung von Kindern betrieben zu haben; ihnen droht lebenslange Haft.
