Die National Crime Agency identifizierte 117 weibliche Opfer im Alter von 13 bis 17 Jahren. Acht von ihnen befanden sich im Vereinigten Königreich. Die Behörde, die die Ermittlungen leitete, arbeitete mit Strafverfolgern in den USA, Kanada, Australien, Norwegen und Neuseeland zusammen, um Opfer zu identifizieren und zu schützen.
Nach Angaben der Ermittler zwang Swaddle die Betroffenen, sexuelle Bilder zu senden und sich selbst zu verletzen. Dazu gehörte auch, seine Benutzernamen in ihre Körper zu ritzen. Wenn Opfer nicht kooperierten, soll er damit gedroht haben, intime Aufnahmen zu veröffentlichen oder Kontakt zu Schulen und Eltern aufzunehmen.
Darüber hinaus versuchte er laut Ermittlern, ein Kind dazu anzustiften, ein jüngeres Kind vor der Kamera sexuell zu missbrauchen. Auf seinen Geräten fanden Ermittler Hunderte unzüchtige Aufnahmen von Kindern, darunter Bilder von Kindern im Alter von nur drei Jahren.
Swaddle bekannte sich vor dem Leeds Crown Court in mehreren Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie der Erpressung schuldig. Richter Peter Kelson bezeichnete ihn bei der Urteilsverkündung als „einen räuberischen Hai, der Jagd auf Kinder macht, die in den dunklen Wassern des Internets schwimmen“.
Zusätzlich zur Haftstrafe unterliegt Swaddle für zehn Jahre einer Sexual Harm Prevention Order und muss sich in das Register für Sexualstraftäter eintragen lassen.
Die NCA verweist darauf, dass Täter und Opfer in „Com“-Gruppen häufig denselben Gruppen angehören. Nach Darstellung der Behörde werden die Täter dabei meist nicht von Geld oder sexueller Befriedigung angetrieben, sondern von dem Ansehen und der Bekanntheit, die das Teilen schockierender Inhalte innerhalb der Szene mit sich bringe.
Auch andere Behörden haben vor solchen Netzwerken gewarnt. Das FBI veröffentlichte im vergangenen Jahr einen Hinweis zu „Com“-Gruppen, die demnach meist aus englischsprachigen Minderjährigen bestehen und in verschiedene Formen cyberkrimineller Aktivitäten verwickelt sind. Diese Gruppen wurden unter anderem mit der Erpressung Minderjähriger und der Verbreitung von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs sowie mit Swatting, SIM-Swapping, Diebstählen von Kryptowährungen und Ransomware-Angriffen in Verbindung gebracht.
Danielle Pownall von der NCA sagte, Justin Swaddle habe junge und verletzliche Opfer auf der ganzen Welt ins Visier genommen, um sie aus Angst zu schockierenden Selbstverletzungen und sexuellen Handlungen zu drängen, allein um online bei Gleichaltrigen an Beliebtheit zu gewinnen. Sie ergänzte, die Zahl der an „Com“-Gruppen beteiligten Personen sei zwar vergleichsweise klein, die Auswirkungen auf die Opfer seien jedoch schwerwiegend und langanhaltend.
