Im Zentrum der Warnung steht eine SQL-Injection ohne bislang vergebene CVE-Kennung, die Metabase selbst mit CVSS 10 einstuft. Nach Angaben des Unternehmens ermöglicht die Lücke das Einschleusen von SQL-Befehlen in die Anwendungsdatenbank von Metabase. Daraus folgt Administratorzugriff auf die jeweilige Instanz. In seinem GitHub-Hinweis nennt Metabase als mögliche Folgen Änderungen an der Anwendungskonfiguration, den Diebstahl gespeicherter Zugangsdaten für verbundene Datenbanken sowie das Lesen und Exportieren von Daten, auf die diese Verbindungen Zugriff haben.
Unklar ist bisher, wie viele Kunden betroffen sind. Ebenso offen ist, ob sich die beobachteten Zero-Day-Angriffe auf Metabase Cloud beschränkten oder ob auch selbst gehostete Open-Source-Instanzen kompromittiert wurden. Dark Reading bat Metabase um weitere Informationen, erhielt bis Redaktionsschluss aber keine Antwort.
Johannes Ullrich vom SANS Internet Storm Center sagte gegenüber Dark Reading, dass der verwundbare API-Endpunkt für eine erfolgreiche Ausnutzung erreichbar sein müsse. Metabase könne sowohl als Docker-Container als auch als eigenständige Java-Anwendung installiert werden; in beiden Fällen werde die API über Port 3000 im Netzwerk bereitgestellt. Wer auf Port 3000 zugreifen könne, hänge davon ab, ob eine Netzwerk-Firewall konfiguriert sei.
Ullrich geht davon aus, dass die meisten Nutzer ihre Instanzen insgesamt freigegeben haben, statt einzelne API-Endpunkte gezielt einzuschränken. Eine solche Einschränkung würde seiner Einschätzung nach wahrscheinlich einen fein granularen Proxy erfordern. Einen offensichtlichen Grund, die Passwort-zurücksetzen-API nicht freizugeben, gebe es aus Nutzersicht nicht, da Anwender sie möglicherweise benötigen.
Zur technischen Ursache sagte Ullrich, die Schwachstelle gehe offenbar darauf zurück, dass die Metabase-Datenbankanwendung keine vorbereiteten Anweisungen nutze. Diese würden das Problem beheben, seien bei Software wie Metabase aber nicht immer leicht wirksam einzusetzen. Als Grund nannte er die breite Unterstützung unterschiedlicher Datenbanken, die die Umsetzung erschwere.
Die Reichweite des Vorfalls kann über Metabase selbst hinausgehen. Ullrich betonte, dass Metabase als Frontend für die Verarbeitung von Daten aus einer Vielzahl von SQL-Datenbanken dient. Eine Kompromittierung von Metabase Cloud und ein möglicher Einbruch in eine unbekannte Zahl selbst gehosteter Instanzen eröffnen Angreifern damit Zugriff auf erhebliche Mengen sensibler Daten.
Bereits bekannt sind einzelne Betroffene. Das auf Workflow-Automatisierung spezialisierte Startup n8n teilte mit, ein Angreifer habe 136 Kundendatensätze mit Namen und E-Mail-Adressen von Nutzern selbst gehosteter Installationen und von n8n-Cloud-Nutzern erlangt. n8n erklärte weiter, fünf dieser Datensätze hätten mit bcrypt gehashte Passwörter von Cloud-Konten enthalten. Weitere 25 Konten hätten Passwörter im Klartext gespeichert, was auf eine bereits zuvor behobene Schwachstelle zurückgehe. n8n hält es nach eigenen Angaben für unwahrscheinlich, dass auf diese Konten während des Angriffs zugegriffen wurde, kontaktierte die 25 Kontoinhaber aber vorsorglich direkt.
Auch Kilo Code, ein Startup für Open-Source-KI-Coding-Agenten, meldete Auswirkungen. Nach Unternehmensangaben ereignete sich der Einbruch in Metabase Cloud über einen Zeitraum von rund vier Stunden, in denen der Angreifer auf Kundendatensätze von Kilo zugriff, darunter Namen, E-Mail-Adressen und weitere Daten einiger Nutzer. In einem späteren Update erklärte Kilo, die Untersuchung habe zusätzlich ergeben, dass auch der Slackbot des Unternehmens betroffen war. Dadurch seien Slack-Zugriffstoken eines kleinen Teils der Nutzer dieser Funktion offengelegt worden. Kilo erklärte, man habe vorsorglich alle Authentifizierungstoken des Kilo-Slackbots für diese Nutzer ungültig gemacht und die Betroffenen informiert.
Metabase fordert Kunden mit selbst gehosteten Instanzen auf, so schnell wie möglich auf eine behobene Version zu aktualisieren. Falls ein Patch nicht möglich ist, soll der Endpunkt /api/session/reset_password blockiert werden. Für Organisationen mit exponierten Endpunkten empfiehlt das Unternehmen unter anderem, alle aktiven Benutzersitzungen zu widerrufen, sämtliche API-Schlüssel zu überprüfen und unbekannte Schlüssel zu löschen sowie alle Zugangsdaten für mit der Plattform verbundene Datenbanken zu rotieren.
