Die britischen Behörden kritisieren die derzeitige Praxis der großen Plattformen scharf. Viele Dienste setzen zwar ein Mindestalter von 13 Jahren voraus, verlassen sich aber vollständig auf die ehrliche Selbstangabe der Nutzer – ein System, das leicht zu umgehen ist. “Da Selbstmeldungen problemlos manipuliert werden können, erhalten Kinder unter 13 Jahren einfach Zugang zu Diensten, die nicht für sie entwickelt wurden”, heißt es im offenen Brief der ICO. “Dies gefährdet diese Altersgruppe, da ihre Daten unrechtmäßig erfasst und ohne die zustehenden Schutzmaßnahmen verwendet werden können.”
Die ICO betont, dass moderne Altersverifikationstechnologien in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht haben, aber viele Dienste diese weiterhin nicht einsetzen. Das ist besonders bemerkenswert: Die Technologie existiert, wird aber nicht angewendet.
Ofcom verschärft den Druck zusätzlich durch konkrete Forderungen: Plattformen müssen wirksame Altersverifikationsprotokolle implementieren, “ausfallsichere” Schutzmaßnahmen gegen Grooming-Versuche einbauen, sicherere Feeds gestalten und Produkttests mit Kindern beenden. Die Regulierungsbehörde plant, die Antworten der Unternehmen im Mai öffentlich zu machen und könnte dann weitere Regulierungsmaßnahmen ankündigen.
Dame Melanie Dawes, Chief Executive von Ofcom, drückt die Frustration aus: “Diese Online-Dienste sind bekannte Marken, aber sie machen Kindersicherheit nicht zum Kern ihrer Produkte. Es klafft eine Lücke zwischen dem, was Technologiefirmen privat versprechen, und dem, was sie öffentlich tun.”
Besonders alarmierend sind Ofcoms Forschungsergebnisse: 72 Prozent der Kinder zwischen 8 und 12 Jahren nutzen diese Plattformen bereits. Eine Altersgruppe, die laut EU-DSGVO und britischem Datenschutzrecht besonderen Schutz benötigt.
Dieser britische Vorstoß erfolgt im Kontext einer internationalen Debatte. Australien führte bereits ein Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige durch, und die britische Regierung zieht ähnliche Maßnahmen in Betracht. Die Frist bis Ende April wird zeigen, ob die Plattformen bereit sind, ihre Geschäftsmodelle zugunsten des Kinderschutzes anzupassen – oder ob strengere Regulierung folgt.
