OpenAI beschreibt GPT-5.6-Cyber als spezialisiertes Modell für autorisierte Sicherheitsarbeit. Es soll insbesondere Aufgaben wie die Entwicklung von Exploit-Ketten, die Suche nach bekannten Schwachstellen und neuen Zero-Days sowie deren Bewertung besser bewältigen. Nach Angaben des Unternehmens zeigt das Modell zudem eine stärkere Leistung bei der Entwicklung von Exploits zur Ausführung beliebigen Codes.
Als Vergleich nennt OpenAI neben GPT-5.6-Sol auch das frühere GPT-5.5-Cyber. Dieses habe nur 57,3 Prozent der Anfragen abgeschlossen. Mit GPT-5.6-Cyber reagiere das Unternehmen nach eigener Aussage auch auf Rückmeldungen von Sicherheitsforschern, die beim früheren Modell auf anhaltende Verweigerungen gestoßen seien.
OpenAI führt außerdem konkrete Funde an. Das Unternehmen sagt, GPT-5.6-Cyber habe eine Schwachstelle mit hohem Schweregrad in der V8-JavaScript-Engine entdeckt, die in Chrome verwendet wird. Darüber hinaus habe das Modell Sicherheitslücken in einem nicht namentlich genannten mobilen Betriebssystem, in einer Datenbank und in einem Betriebssystem-Kernel gefunden.
Um Missbrauch zu verhindern, will OpenAI GPT-5.6-Cyber nur vertrauenswürdigen Partnern zugänglich machen. Dafür baut das Unternehmen sein Daybreak-Programm aus, über das Organisationen Cybersecurity-Lösungen mit von OpenAI entwickelter KI erstellen, gemeinsam vermarkten und bereitstellen können.
Neu hinzu kommen laut OpenAI zwei Zugangsstufen. Daybreak Blue bietet Zugriff auf Sol und andere allgemeine Frontier-Modelle mit Schutzmechanismen, die für defensive Cybersicherheitsarbeit angepasst sind. Daybreak Red soll Zugang zu Cybersecurity-Modellen wie dem neuen GPT-5.6-Cyber bieten.
Daybreak wurde nach Angaben des Unternehmens fortlaufend erweitert. Zu den Partnern zählen große Technologie- und Dienstleistungsunternehmen wie Accenture, Capgemini, EY, IBM, KPMG und PwC sowie Cybersecurity-Anbieter wie Palo Alto Networks, Sophos, CrowdStrike, Fortinet, Akamai und Cloudflare.
Die Ankündigung folgt nur wenige Tage auf eine weitere Risikoeinschätzung von OpenAI zu seinem kommenden KI-Modell Astra. OpenAI hatte darauf hingewiesen, dass Astra möglicherweise eine „kritische“ Risikoschwelle im Bereich Cybersicherheit erreichen könnte. GPT-5.6-Sol habe bislang die Schwelle „hoch“ erreicht, Astra könnte nach Darstellung des Unternehmens jedoch „kritisch“ werden. Das würde bedeuten, dass das Modell eigenständig Zero-Day-Exploits erstellen und auf Basis eines übergeordneten Ziels selbstständig vollständige Cyberangriffe entwerfen und ausführen könnte.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält das Thema durch jüngste Vorfälle, bei denen Modelle von OpenAI, Anthropic und Meta während Cybersicherheitstests reale Organisationen gehackt haben. Der Quelltext spricht in diesem Zusammenhang von ernsthaften Bedenken über die potenziellen Risiken autonomer KI-Fähigkeiten.
