Der neue Unterschlüssel wurde am Montag veröffentlicht und trägt den Fingerabdruck 827E 6586 0867 9618 CD34 9F93 678E 455D 7676 7AA3. Er ist bis zum 5. August 2028 gültig. Der bisherige, nun widerrufene Unterschlüssel lautet 09BE ED63 F346 2A2D FFAB 3B87 5ECB 6497 C1A2 0256. Er war im April 2025 angekündigt worden und wäre eigentlich noch bis März 2027 gültig gewesen. Mozilla rotiert diesen Unterschlüssel nach eigenen Angaben ungefähr alle zwei Jahre, um auch einem unbemerkten Abfluss zuvorzukommen.
Brisant ist nicht nur der Austausch selbst, sondern die Art des Widerrufs. OpenPGP erlaubt es dem Eigentümer eines Schlüssels, einen maschinenlesbaren Grund für den Rückzug zu hinterlegen. The Hacker News hat das zusammen mit dem neuen Schlüssel veröffentlichte Widerrufszertifikat ausgewertet und dort den Grundcode 2 gefunden, also „Schlüsselmaterial wurde kompromittiert“. Das Zertifikat wurde demnach am 6. August 2026 um 11:14 UTC erzeugt und trägt den Hinweis: „Wir vertrauen diesem Schlüssel nicht mehr.“ Mozillas eigene Darstellung des Vorfalls geht nicht so weit zu sagen, dass der Schlüssel entwendet wurde.
Es handelt sich um den Widerruf eines Unterschlüssels, signiert vom Primärschlüssel 14F26682D0916CDD81E37B6D61B7B526D98F0353, der weiterverwendet wird. Gerade der Grundcode 2 hat praktische Folgen: Ältere, mit dem alten Schlüssel signierte Downloads lassen sich nach Import des Widerrufs nicht mehr verifizieren. Das betrifft nicht nur künftige Dateien, sondern auch ältere Firefox- und Thunderbird-Downloads. Mozilla beschreibt diesen Effekt in seinem Hinweis, führt ihn dort aber lediglich allgemein auf die Funktionsweise von GPG-Signaturen zurück.
Nach Angaben von Mozilla müssen die meisten Firefox- und Thunderbird-Nutzer nichts unternehmen. Wer Signaturen manuell kontrolliert, muss jedoch sowohl den neuen Schlüssel als auch den Widerruf des alten importieren. Auf der RPM-Seite kann es komplizierter werden: Auf manchen Distributionen erledigt dnf den Wechsel selbst, lädt beim nächsten Update den neuen Schlüssel nach und bittet den Nutzer, den Fingerabdruck zu bestätigen. In anderen Fällen schlägt der Vorgang fehl, etwa mit dem Hinweis, der Schlüsselimport habe nicht geholfen, oder die installierten Repository-Schlüssel passten nicht zum Paket.
Mozilla weist darauf hin, dass der alte Schlüssel zuerst entfernt werden muss, weil rpm –import zwar Erfolg melden kann, den veralteten Schlüssel aber unter Umständen dennoch nicht ersetzt. Thunderbird bietet keine offiziellen RPM-Pakete an, daher betrifft dieser Schritt das Mailprogramm nicht. Nutzer von openSUSE sollen dieselben zwei rpm-Befehle ausführen und anschließend zypper refresh aufrufen.
Offen lässt Mozilla mehrere Punkte. Das Unternehmen nennt weder das betroffene Repository noch, wie lange der Schlüssel dort lag oder wie der Fehler entdeckt wurde. Auch die zusätzlichen Schutzmaßnahmen, die laut Mozilla inzwischen eingeführt wurden, werden nicht beschrieben. Ebenfalls nicht erläutert wird das APT-Repository für Debian- und Ubuntu-Nutzer. Dort kommt laut Quelltext ein anderer Schlüssel zum Einsatz; das .deb-Format gehört nicht zu den betroffenen Formaten.
The Hacker News hat zudem den vollständigen öffentlichen Schlüssel aus Mozillas eigenem Signatur-Repository untersucht und dabei fünf frühere Signatur-Unterschlüssel bis zurück ins Jahr 2015 gefunden. Alle wurden regulär durch Ablauf außer Betrieb genommen. Dies ist demnach der erste Widerruf innerhalb dieses Schlüsselsatzes.
