KOSA wurde erstmals 2022 eingebracht und seither in jedem Jahr erneut vorgelegt. In der vergangenen Legislaturperiode kam der Entwurf erstmals zur Abstimmung im gesamten Senat und wurde dort mit 91 zu 3 Stimmen verabschiedet. Im Repräsentantenhaus scheiterte das Vorhaben anschließend am Widerstand der Führung, die sich damals auf Bedenken mit Blick auf den ersten Verfassungszusatz berief.

Auch jetzt bleibt genau dieser Punkt der größte Streitfall. Die Senatsfassung enthält eine Sorgfaltspflicht, die Unternehmen verpflichten würde, vorhersehbare Schäden mit angemessener Vorsicht zu verhindern. Nach Darstellung des Quelltexts lehnen die Spitzen des Repräsentantenhauses diese Formulierung klar ab. In einem Interview im Dezember 2024 sagte Sprecher Mike Johnson, man müsse sicherstellen, dass eine Verabschiedung von KOSA mit einer solchen Pflicht nicht „die Tür für Verstöße gegen die Meinungsfreiheit öffnet“. Berichten zufolge bezeichnete er die Gesetzgebung zudem als „zu weit gefasst“ und warnte, sie könne „zu weit gehen“.

John Perrino von der Internet Society, der KOSA seit fünf Jahren verfolgt und selbst keine Position zum Gesetz eingenommen hat, bezeichnete die Sorgfaltspflicht als den zentralen Reibungspunkt. Solange es dazu keinen Kompromiss gebe und die Lager sich eingegraben hätten, sei ein Fortschritt schwer. Experten warnen laut Quelltext zudem, dass eine solche Pflicht schwer zu definieren und umzusetzen sei, weil unklar sei, welche Inhalte als schädlich gelten. Scott Perrino von der Internet Society sagte, die Kernfrage sei, wer bestimme, was angemessen sei und was nicht; das könne sich von Regierung zu Regierung ändern.

Kritiker sehen noch weitere Risiken. Gegner von KOSA argumentieren, die vage formulierte Sorgfaltspflicht könne Unternehmen angesichts drohender hoher Geldstrafen dazu bringen, Inhalte vorsorglich zu sperren. Genannt werden im Quelltext etwa Bildungsinhalte über Homosexualität oder gesunde Ernährung, wenn Plattformen befürchten, Inhalte könnten Essstörungen fördern. Kate Ruane, Direktorin des Free Expression Project beim Center for Democracy and Technology, sagte gegenüber Recorded Future News, das Gesetz werde der Regierung ermöglichen, „Anreize für Zensur zu schaffen“.

Befürworter halten dagegen, dass ohne Sorgfaltspflicht der Kern des Gesetzes verloren gehe. Senatorin Marsha Blackburn, die sich für eine KOSA-Fassung mit dieser Regelung einsetzt, erklärte bei der Ausschusssitzung am Mittwoch, der Senat könne und werde die frühere Fassung des Repräsentantenhauses nicht akzeptieren. Diese sei „zahnlos“ und nur ein „sehr blasses Abbild“ der Senatsversion und damit auch der Rechenschaftspflicht großer Tech-Konzerne.

Immerhin wurden in anderen Streitfragen Fortschritte erzielt. Josh Golin, Geschäftsführer der Kinderrechtsgruppe Fairplay, verwies darauf, dass eine Regelung gestrichen wurde, die bundesstaatliche Gesetze zur Online-Sicherheit von Kindern verdrängt hätte. Diese Änderung wurde im Juni nach intensiven parteiübergreifenden Verhandlungen im Energie- und Handelsausschuss des Repräsentantenhauses aus der dortigen Fassung entfernt. Laut Golin spielten Eltern von Kindern, die infolge von Mobbing, Sextortion und der Förderung von Essstörungen in sozialen Medien gestorben sind, dabei eine entscheidende Rolle.

Auch beim sogenannten Wissensstandard gab es nach Angaben von Golin erstmals in dieser Sitzungsperiode einen Kompromiss. Das Repräsentantenhaus habe sich von einem Standard der „tatsächlichen Kenntnis“ hin zu einem strengeren Standard der „zuzurechnenden Kenntnis“ bewegt. Danach sollen Plattformen nicht nur für das verantwortlich sein, was sie tatsächlich wissen, sondern auch für das, was sie wissen müssten.

Ob all das für eine Verabschiedung reicht, ist offen. Das weitere Schicksal des Entwurfs liegt nun bei Mehrheitsführer John Thune, der entscheiden muss, ob er eine namentliche Abstimmung im gesamten Senat ansetzt. Josh Withrow vom R Street Institute, der eine Sorgfaltspflicht ablehnt, hält es angesichts der wenigen verbleibenden Sitzungstage in diesem Jahr vor der Wahl schon für schwierig, den Entwurf erneut durch den gesamten Senat zu bringen — erst recht, anschließend noch eine Einigung mit dem Repräsentantenhaus zu erzielen. Möglich sei zwar noch Bewegung in der sogenannten Lame-Duck-Sitzung zwischen November und Januar, doch derzeit bleibt KOSA trotz erzielter Kompromisse vor allem an der Sorgfaltspflicht hängen.