Nach Angaben eines NSA-Sprechers trat Kerianne Tobitsch ihr Amt als General Counsel am 15. Juni 2026 an. Damit besetzt die Behörde eine Schlüsselposition neu, die über ein breites Spektrum rechtlicher Fragen wacht. Dazu gehört auch die Aufsicht über Juristen, die verdeckte Operationen prüfen oder genehmigen.
Tobitsch arbeitete vor ihrem Wechsel zur NSA zuletzt im Department of Homeland Security. Dort war sie seit April 2025 als leitende Juristin tätig. Davor war sie ihrem LinkedIn-Profil zufolge mehr als acht Jahre im New Yorker Büro der Kanzlei Jones Day beschäftigt, wo sie Partnerin wurde.
Die Stelle war seit dem Abgang von April Falcon Doss vakant. Doss war 2022 während der Biden-Regierung auf den Posten berufen worden, wurde aber entlassen, nachdem die konservative Website Daily Wire über sie und ihre frühere Tätigkeit als demokratische Mitarbeiterin des Geheimdienstausschusses im Senat berichtet hatte. Der Bericht verbreitete sich in sozialen Medien rasant und wurde von Laura Loomer weiter verstärkt, die als rechtsextreme Verschwörungsideologin beschrieben wird.
Loomer hatte zuvor für sich in Anspruch genommen, dass die Trump-Regierung General Timothy Haugh, den Leiter von U.S. Cyber Command und NSA, sowie dessen zivile Stellvertreterin Wendy Noble wegen angeblicher Illoyalität gegenüber dem Weißen Haus abgesetzt habe. Rund um die Entlassung von Doss gingen zudem zwei weitere hochrangige NSA-Juristen freiwillig in den Ruhestand. Diese Stellen wurden anschließend kommissarisch besetzt. Ob sie inzwischen dauerhaft neu vergeben wurden, wollte der NSA-Sprecher nicht kommentieren.
Die Serie hochrangiger Abgänge hatte laut dem Bericht innerhalb des Kommandos und der Behörde Unruhe ausgelöst. Inzwischen sei die Lage mit einem neuen Kommandeur und jüngsten Besetzungen weiterer Spitzenposten wieder entspannter.
Vor ihrer Zeit im Department of Homeland Security schrieb Tobitsch zudem für die juristische Online-Publikation JD Supra. Dort befasste sie sich gemeinsam mit Kollegen von Jones Day mit aufkommenden Fragen rund um Datenschutz und Datensicherheit.
Eine Rolle dürfte Tobitsch auch bei einer anstehenden politischen Auseinandersetzung spielen: Wenn die Gesetzgeber aus der Sommerpause zurückkehren, wollen sie versuchen, Section 702 des Foreign Intelligence Surveillance Act zu verlängern. Die Regelung, die im Juni ausgelaufen ist, erlaubt es der NSA, von US-Unternehmen wie Google und AT&T elektronische Nachrichten gezielt ausgewählter Ausländer im Ausland ohne richterlichen Beschluss zu sammeln.
Der Posten des General Counsel ist bei der NSA eine Laufbahnposition im Staatsdienst und soll unpolitisch bleiben. In den letzten Tagen der ersten Trump-Präsidentschaft wurde jedoch mit Michael Ellis ein regierungstreuer Beamter auf den Posten gesetzt. Demokraten im Kongress kritisierten das damals als Versuch, einen politischen Ernennungsposten in eine Dauerstelle bei der größten US-Spionagebehörde zu überführen. Ellis wurde zu Beginn der Biden-Regierung beurlaubt und trat später zurück. Eine Untersuchung des Generalinspekteurs kam anschließend zu dem Ergebnis, dass die Trump-Regierung das Verteidigungsministerium bei der Ernennung von Ellis nicht unzulässig unter Druck gesetzt hatte. Ellis ist heute stellvertretender Direktor der CIA.
