Kern des Memorandums ist ein formales Antragsverfahren für private Sicherheitsfirmen. Das NCC soll ein Programm einrichten, in dessen Rahmen Unternehmen sich um eine Zulassung für begrenzte Cyberoperationen gegen ausländische Cybercrime-Organisationen bewerben können. Diese Einsätze sollen nicht eigenständig, sondern „unter der Kontrolle und Autorität der US-Regierung“ erfolgen, wie es in dem Informationsblatt des Weißen Hauses heißt.
Das Memorandum verpflichtet die Exekutivdirektoren des Programms und den Homeland Security Council dazu, strenge Verfahren für Prüfung und Durchführung dieser Operationen auszuarbeiten. Nach Darstellung des Weißen Hauses sollen so die US-Verfassung, geltende Gesetze und einschlägige internationale Vereinbarungen eingehalten werden. Zugleich schafft das Papier einen Rahmen, in dem freiwillig teilnehmende Unternehmen Vereinbarungen mit anderen privaten Akteuren sowie mit Behörden auf Bundes-, Bundesstaats-, lokaler, stammesbezogener und territorialer Ebene schließen können, um Informationen über Bedrohungen durch transnationale kriminelle Organisationen zu sammeln und darauf aufbauend Cyberoperationen vorzuschlagen.
Die Aufsicht über das Programm sollen Exekutivdirektoren übernehmen, die vom Justizministerium und vom Heimatschutzministerium benannt werden. Sicherheitsfirmen, die teilnehmen wollen, müssen zunächst überprüft werden, bevor sie Verträge mit einem der beiden Ministerien abschließen dürfen.
Zu den vorgesehenen Schutzmechanismen gehört auch eine finanzielle Absicherung: Teilnehmende Firmen müssen laut Memorandum eine Sicherheitsleistung oder ein Treuhandguthaben von mindestens 1 Million US-Dollar vorhalten. Dieses Geld kann verfallen, wenn sie gegen vertragliche Vereinbarungen verstoßen.
Außerdem müssen Unternehmen laufende Einsätze sofort abbrechen, sobald sie feststellen, dass Aktivitäten über die genehmigten Grenzen hinausgehen. Das gilt ausdrücklich auch für eine unbeabsichtigte Ausrichtung auf US-Bürger oder in den USA betriebene Systeme. In solchen Fällen ist das National Coordination Center umgehend zu informieren.
Das Weiße Haus begründet das Programm mit der Bekämpfung ausländischer krimineller Organisationen, die an Ransomware, Phishing, Finanzbetrug, Sextortion und Identitätsvortäuschung beteiligt seien. Nach Angaben des Weißen Hauses meldeten US-Verbraucher für 2025 Verluste von mehr als 20,8 Milliarden US-Dollar durch cybergestützte Kriminalität.
Aus der Sicherheitsbranche kommt dazu unterschiedliche Resonanz. Veracode-Mitgründer Chris Wysopal nannte das Memorandum eine „ziemlich große Verschiebung in der US-Cyberpolitik“ sowie eine „erhebliche Ausweitung der Rolle des Privatsektors bei offensiven Cyberoperationen“. Jason Kikta, früherer Leiter der Cyber National Mission Force und heute Technikchef von Automox, beschrieb den Vorstoß als „eine Perpetuum-mobile-Maschine für abrechenbare Bedrohungen“.
