Nach Angaben der ukrainischen Polizei betrieben die Täter verschiedene Betrugsmodelle, um Geld von Opfern zu erlangen oder Zugang zu deren Bankkonten zu erhalten. Teilweise riefen sie als vermeintliche Bankangestellte an und behaupteten, auf den Konten seien verdächtige Transaktionen festgestellt worden. Den Betroffenen wurde dann mit einer Kontosperrung gedroht, falls sie keine Zahlung leisten.

In anderen Fällen brachten die Betrüger ihre Opfer dazu, Kredite aufzunehmen, Kartendaten preiszugeben und Fernzugriffsprogramme auf Smartphones und Computern zu installieren. In einer Mitteilung erklärte die ukrainische Polizei, Strafverfolger hätten „zeitgleich die Infrastruktur betrügerischer Callcenter überprüft, deren Betreiber sich als Banker, Broker und Strafverfolgungsbeamte ausgaben, Menschen auf gefälschte Investitionsplattformen lockten und Zugriff auf ihre Bankkonten erlangten“.

Laut Polizei richteten sich einige der untersuchten Callcenter gegen Bürger in anderen Staaten, insbesondere in der Europäischen Union. Dort sollen Opfer zu angeblichen Investitionen auf gefälschten Broker-Plattformen verleitet und zur Installation von Fernwartungssoftware auf ihren Rechnern gebracht worden sein. In weiteren Fällen versprachen die Betreiber Hilfe bei der Rückholung von Geld, das Betroffene bereits an andere Betrüger verloren hatten — nur um sie ein zweites Mal zu täuschen.

Die Ermittler stießen nach eigenen Angaben zudem auf Callcenter, die Produkte als medizinische Behandlungen für verschiedene Krankheiten anpriesen, obwohl diese Produkte tatsächlich keine medizinische Wirkung hatten. Außerdem stellte die Polizei fest, dass die Callcenter über eigene Teams verfügten, die sich darauf spezialisiert hatten, Personen mit echtem Interesse an Geldanlagen zu identifizieren.

Insgesamt wurden 411 Durchsuchungen durchgeführt, und der Betrieb von 94 betrügerischen Callcentern wurde eingestellt. Bei den Razzien beschlagnahmte die Polizei nach eigenen Angaben Bargeld in Millionenhöhe. 26 Personen wurden inzwischen formell als Verdächtige benachrichtigt.

Den Beteiligten drohen laut Polizei Anklagen nach Teil 4 und 5 von Artikel 190 sowie Teil 3 von Artikel 209 des Strafgesetzbuchs der Ukraine. Darauf stehen demnach Strafen von bis zu zwölf Jahren Haft und die Einziehung von Vermögen.

Die sichergestellten Geräte werden derzeit forensisch untersucht. Diese Auswertung soll nach Angaben der Polizei dazu beitragen, Opfer und das Ausmaß ihrer Verluste zu identifizieren. Zugleich erhoffen sich die Ermittler weitere Beweise gegen die Organisatoren sowie gegen andere Beteiligte wie Geldkuriere und Geldwäscher.