Flock Safety verschärft seine internen Datenschutz- und Kontrollmechanismen, nachdem der Missbrauch seiner Kennzeichenleser durch Polizeibeamte erneut Schlagzeilen gemacht hat. Nach Angaben des Unternehmens wird die Funktion „Audit Assistance“ künftig bei allen Kunden verpflichtend. Sie soll auffällige Aktivitäten innerhalb von Behörden erkennen und zur Prüfung kennzeichnen. Während eine solche Prüfung läuft, wird das zugehörige Nutzerkonto automatisch ausgesetzt.

Zusätzlich will Flock vorschreiben, dass Beamte bei einer Suche einen Fallcode angeben müssen, der mit einer konkreten Ermittlung verknüpft ist. Diese Funktion war seit Juli 2025 zwar verfügbar, aber nur optional. In Notfällen soll sie weiter umgangen werden können.

Hintergrund sind mehrere Fälle, in denen Beamte Flocks Technik laut Vorwürfen für private Zwecke nutzten. Anfang dieser Woche wurde ein Polizeibeamter in New Bedford im US-Bundesstaat Massachusetts vor Gericht beschuldigt, die Technologie eingesetzt zu haben, um die Ex-Freundin zu verfolgen. In Georgia wurden drei Sheriff-Stellvertreter wegen ähnlicher Taten festgenommen. Eine Untersuchung der Washington Post in diesem Monat kam zudem zu dem Ergebnis, dass mindestens 50 Angehörige von Strafverfolgungsbehörden wegen des Missbrauchs von Flocks Werkzeugen angeklagt wurden.

Flock bezeichnete die neuen Maßnahmen als „Fortsetzung unseres Engagements für Sicherheit und Privatsphäre“. Chad Marlow, Senior Policy Counsel bei der American Civil Liberties Union, wies die Ankündigung dagegen als weitgehend öffentlichkeitswirksame Inszenierung zurück. Positiv bewertete er einen vorgeschlagenen Schritt, die Speicherdauer von Daten aus Kennzeichenabfragen von 30 auf sieben Tage zu verkürzen, ausgenommen Fälle, in denen die Daten als Beweismittel in einer Ermittlung aufbewahrt werden. Mehrere andere Änderungen seien jedoch „lediglich Neuauflagen früherer unzureichender Schutzmaßnahmen“.

Die neuen Regeln sollen Bedenken gegen die großen Datenmengen dämpfen, die das Kameranetz sammelt und die behördenübergreifend zugänglich sind. Nach Angaben des Unternehmens können Kunden nun genauer einschränken, unter welchen Umständen Informationen aus ihren Kameras mit anderen Behörden geteilt werden. Als Beispiel nannte Flock, dass eine Suche in der Datenbank für die Untersuchung eines Vermisstenfalls erlaubt werden könne, nicht aber im Zusammenhang mit der Durchsetzung des Einwanderungsrechts.

Unklar blieb laut Ankündigung allerdings, wie verhindert werden soll, dass Beamte dieses System missbrauchen, indem sie den Grund einer Suche falsch angeben. In einem Blogbeitrag schrieb Marlow von der ACLU, die Maßnahme sei nicht neu und habe schon früher versagt, „weil Nutzer die Vorgabe, dass die Polizei den Zweck ihrer Suche eingeben muss, leicht umgehen konnten“.

Flock Safety wurde vor zehn Jahren in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia gegründet. Das Unternehmen hat Verträge mit mehr als 7.000 Organisationen im ganzen Land abgeschlossen und ein Netzwerk von rund 120.000 Kennzeichenlesern aufgebaut. Dieses Überwachungsnetz hat breite Ablehnung ausgelöst, unter anderem bei Bürgerrechtsgruppen, die eine Aushöhlung des Rechts auf Privatsphäre befürchten. Die Proteste führten auch dazu, dass Verträge mit dem Unternehmen in Los Angeles, Cambridge in Massachusetts und Eugene in Oregon gekündigt wurden.