Die Zahlen sind beeindruckend – und für Datenschützer beunruhigend: Zwischen Dezember 2024 und November 2025 führte das FBI 7.413 Suchanfragen in der Section-702-Datenbank durch, wie aus einem Brief von Ted Groves, dem stellvertretenden Direktor des Congressional Affairs Office des FBI, hervorgeht. Das bedeutet einen Anstieg von 5.518 Anfragen im Vorjahr – eine Steigerung von rund 35 Prozent.
Das Besondere an dieser Statistik: Sie markiert eine Umkehr eines jahrelangen Trends. 2021 gab es noch knapp 2,96 Millionen solcher Anfragen, doch die Zahlen sanken drastisch auf 119.383 (2022) und schließlich 57.094 (2023). Der aktuelle Anstieg lässt Fragen aufkommen, die sowohl progressive als auch konservative Kongressabgeordnete umtreiben.
Section 702 der FISA erlaubt der NSA, bestimmte ausländische Nachrichtendienstinformationen aus internationalen Telefonaten und E-Mails zu sammeln – insbesondere von Terrorismussuspekten, Hackern und ausländischen Spionen. Das Problem: In diesem Prozess werden auch Daten von amerikanischen Bürgern erfasst und durchsucht – ohne Durchsuchungsbefehl. Dies ist der zentrale Kritikpunkt, der bei jeder Debatte über die Neugenehmigung des Programms hochkocht.
Historisch war dies besonders brisant beim letzten Reauthorisierungsprozess 2024, als bekannt wurde, dass das FBI dieses Überwachungswerkzeug auch zur Überwachung von Personen nutzte, die am 6. Januar 2021 ins Capitol eindrangen, sowie von Teilnehmern der George-Floyd-Proteste 2020 – sogar ein Mitglied des House Intelligence Committee wurde durchsucht.
Die neu veröffentlichten Daten stehen nun im Zentrum heftig umkämpfter Verhandlungen. Das Programm läuft am 20. April aus. Präsident Donald Trump signalisierte Unterstützung für eine 18-monatige “saubere” Verlängerung ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen. FBI-Direktor Kash Patel und CIA-Direktor John Ratcliffe trafen sich diese Woche hinter verschlossenen Türen mit Senatoren, um für die Erneuerung zu werben.
Doch die neuen Zahlen könnten den Widerstand verstärken. Eine Koalition aus Progressive und Datenschutz-Organisationen fordert deutlich, dass Section 702 nicht ohne neue Datenschutzgarantien verlängert werden darf – besonders angesichts der Unterstützung durch Stephen Miller, den umstrittenen stellvertretenden Stabschef des Weißen Hauses.
Für deutsche Nutzer und Unternehmen könnte dies relevant sein: Internationale Kommunikation unterliegt diesen Programmen, und persönliche Daten können in diese Datenbanken gelangen. Eine Verlängerung ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen könnte die Datenfreizügigkeit zwischen Ländern weiter unter Druck setzen.
