Das Schreiben selbst nennt keine Gründe für den Anstieg. Eine Sprecherin des FBI lehnte eine Stellungnahme ab. Nach Angaben von Recorded Future News ging das Schreiben Anfang dieser Woche auch an die Vorsitzenden der Geheimdienstausschüsse von Repräsentantenhaus und Senat, die ebenfalls für Section 702 zuständig sind.

Die Behörde bezeichnet diese Suchen als “Abfragen zu US-Personen”. Die gesetzliche Grundlage erlaubt es der NSA, bestimmte Kategorien von Informationen der Auslandsaufklärung aus internationalen Telefonaten und E-Mails zu erfassen — etwa von mutmaßlichen Terroristen, Hackern, ausländischen Spionen und anderen als Sicherheitsrisiko eingestuften Personen, die im Ausland leben. Dabei werden jedoch auch Daten von US-Bürgern abgefangen. Während Geheimdienstvertreter das Gesetz als unverzichtbar für die nationale Sicherheit ansehen, lehnt ein Bündnis aus progressiven und konservativen Abgeordneten es ab, weil private Informationen von US-Bürgern ohne richterlichen Beschluss erfasst und durchsucht werden können.

FBI-Direktor Kash Patel und CIA-Direktor John Ratcliffe warben am Mittwoch in einem nichtöffentlichen Treffen mit republikanischen Senatoren für eine solche Verlängerung. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, kündigte bereits an, eine Erneuerung in der Woche vor dem Auslaufdatum zur Abstimmung bringen zu wollen.

Die neuen Zahlen könnten die Debatte über diese Abfragen und die Frage eines richterlichen Beschlusses neu entfachen. Diese stand bereits 2024 im Mittelpunkt, nachdem öffentlich geworden war, dass das FBI das Auslandsspionage-Instrument genutzt hatte, um nach Informationen über Beschuldigte des Angriffs auf das US-Kapitol am 6. Januar, über die George-Floyd-Proteste von 2020 und sogar über ein Mitglied des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses zu suchen.

Der aktuelle Anstieg markiert eine Trendwende nach Jahren stetigen, oft starken Rückgangs: 2021 wurden noch 2.964.643 solcher Suchen gezählt, 2022 sank die Zahl auf 119.383 und 2023 auf 57.094. Laut dem Schreiben lieferten 2024 nur 38 Prozent der Abfragen “entweder Inhalts- oder Nicht-Inhaltsdaten, die über Section 702 erlangt wurden”. 2025 fiel dieser Anteil auf 28 Prozent. Die Prozentwerte seien “ungefähr”, heißt es unter Verweis auf den jährlichen Transparenzbericht des Büros des Director of National Intelligence: Das FBI entferne in seinen Meldungen Doppelungen, zähle eine mehrfach ausgeführte Abfrage also nur einmal. Wegen fortlaufend einlaufender Kommunikation könne es vorkommen, dass eine Abfrage beim ersten Mal keine Inhalte liefere, bei einer späteren Ausführung aber doch.

Am Donnerstag forderten Dutzende progressive und bürgerrechtliche Organisationen die Demokraten im Kongress in einem Schreiben auf, eine Verlängerung von Section 702 ohne neue Datenschutzgarantien zu blockieren. Sie verwiesen auf die Unterstützung des Gesetzes durch den stellvertretenden Stabschef des Weißen Hauses, Stephen Miller: “Stephen Millers Agenda der Überwachung ohne richterlichen Beschluss zu unterstützen, wäre ein massiver Schaden für die Privatsphäre und die Bürgerrechte der Menschen in den Vereinigten Staaten.”