Nach Angaben der deutschen Behörden nutzten die Angreifer eine Software-Schwachstelle aus, die durch ein fehlerhaftes Update in ein Zahlungs- und Transaktionsverarbeitungssystem eingebracht worden war. Im November 2023 lösten sie zahlreiche unbefugte Abbuchungen von verschiedenen deutschen Onlinebanking-Konten aus und leiteten die erbeuteten Gelder nach Brasilien weiter. Dafür nutzten sie laut Ermittlern ein größeres Netzwerk, das die Herkunft der Gelder verschleiern sollte.

Der größte Teil der Summe wurde den Behörden zufolge in Brasilien abgehoben. Ein kleinerer Anteil wurde in vier europäischen Ländern ausgezahlt. Die Ermittler stellten außerdem fest, dass die Täter die Erträge über Durchlaufkonten, Unternehmen, Zahlungsinstitute, Plattformen für virtuelle Vermögenswerte und Zahlungskarten verschoben und verbargen, die ohne Zustimmung der Begünstigten ausgestellt worden waren.

Commerzbank bestätigte in einer Stellungnahme gegenüber BleepingComputer, dass der Betrugsfall bekannt sei und aus dem Jahr 2023 stamme. Ein Sprecher der Bank erklärte, wegen technischer Probleme bei einem Dienstleister seien unbefugte Lastschriften von Kundenkonten erfolgt. Den Kunden sei jedoch kein finanzieller Schaden entstanden. Zudem habe die Bank eng und umfassend mit den Behörden kooperiert.

Die brasilianische Bundespolizei leitete gestern mit Unterstützung des BKA die „Operation Klonen“ ein. Dabei vollstreckten die Ermittler 21 Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschlüsse in sieben Städten in Brasilien. Die Aktion führte zur Festnahme von vier Verdächtigen auf Grundlage von Haftbefehlen in Rio de Janeiro, Guarulhos, Goiânia und Carapicuíba.

Zusätzlich identifizierte die Polizei drei weitere Verdächtige in Europa. Sie sollen in Spanien und Bulgarien von den Strafverfolgungsbehörden der beiden Länder angeklagt werden. Den in Brasilien festgenommenen Beschuldigten werden unter anderem besonders schwerer Diebstahl durch elektronischen Betrug, Beteiligung an einer kriminellen Organisation und Geldwäsche vorgeworfen.

Nach Angaben der brasilianischen Behörden kandidierte einer der Verdächtigen im Jahr 2024 für ein gewähltes Amt und nutzte einen Teil der illegal erlangten Gelder zur Unterstützung seines politischen Wahlkampfs. Ein brasilianisches Bundesgericht ordnete außerdem die Beschlagnahme von Finanzvermögen, Fahrzeugen und Immobilien im Wert von bis zu 106 Millionen brasilianischen Real an.