Bei der neu entdeckten Schwachstelle handelt es sich laut SSD Secure Disclosure um ein Problem bei der Speicherisolation in der Memory Protection Unit des Unisoc-T612-Modems. Die Firmware-Schwäche erlaubt es einem Angreifer, der bereits Zugriff auf das Modem hat, seine Rechte auszuweiten und Privilegien auf Kernel-Ebene des Android-Geräts zu erlangen. Es ist nach Angaben der Forscher bereits die zweite in den vergangenen Monaten veröffentlichte Schwachstelle im Unisoc-T612-Chipsatz.
Die erste Komponente der Angriffskette hatte SSD bereits im März beschrieben. Dabei geht es um eine Remote-Code-Execution-Schwachstelle in der Verarbeitung von Session Initiation Protocol- und Session Description Protocol-Daten, also SIP/SDP-Informationen, die beim Aufbau und der Beschreibung von Sprach- und Videoanrufen verwendet werden. SSD zufolge kann ein Angreifer mit einer speziell gestalteten Nachricht den Speicher des Modems beschädigen und dort eigenen Code ausführen.
Im veröffentlichten Proof of Concept kombinierten die Forscher beide Schwachstellen. Zunächst nutzten sie die RCE-Lücke aus, indem sie präparierte SIP/SDP-Nachrichten an das Modem schickten. Dadurch wurden Code sowie Fragmente einer größeren Nutzlast im Speicher des Modems abgelegt. Anschließend demonstrierte SSD, wie ein Angreifer einen Videoanruf an das Zielgerät auslöst. Nimmt das Opfer den Anruf an, setzt der Exploit die fragmentierte Nutzlast wieder zusammen und führt Code aus, der die Speicherschutzmechanismen des Modems deaktiviert und Zugriff auf den Speicher des Android-Kernels ermöglicht.
Für die Demonstration verwendete SSD ein Realme C33 mit Unisoc T612 und dem Sicherheitsupdate vom 1. Juli 2025 als Zielgerät. Die Forscher bauten dafür ein eigenes Testnetz für 4G und VoLTE auf und nutzten Hard- und Software, die ein Mobilfunknetz simulierten. Der Angriffscode sowie die bösartigen SIP/SDP-Nachrichten liefen auf einem separaten Computer. In einem realen Angriff könnte laut SSD jedoch jedes Smartphone ausreichen, das einen Videoanruf zum Opfergerät aufbauen kann.
SSD bestätigte das Problem außerdem auf einem Xiaomi Redmi A5 mit dem Android-Sicherheitspatch vom Januar 2026 und auf einem Motorola E13 mit dem Patchstand Februar 2025. Das Unternehmen machte keine Angaben dazu, ob nach seiner Einschätzung auch Geräte anderer Hersteller betroffen sind. Gleichzeitig erklärte SSD, man habe versucht, den Hersteller über mehrere Kanäle, darunter E-Mail und LinkedIn, zu erreichen, jedoch keine Antwort erhalten.
Unisoc Technologies Co. Ltd. ist ein chinesisches Halbleiterunternehmen, das Chipsätze und Plattformen für Mobiltelefone, IoT-Geräte, Fahrzeugsysteme, Tablets, Wearables und weitere vernetzte Geräte entwickelt. Laut Quelltext setzen unter anderem Motorola, Samsung, Realme, Nokia und ZTE aktuell auf Unisoc-Chipsätze.
Die Ergebnisse von SSD passen nach Einschätzung des Berichts zu früheren Untersuchungen, die Mobilfunkmodems als bedeutsame und oft aus der Ferne erreichbare Angriffsfläche beschreiben. Forscher von Check Point berichteten zuvor über eine aus der Ferne ausnutzbare Schwachstelle in einer Unisoc-Baseband-Komponente, die Mobilfunkkommunikation stören konnte. Googles Project Zero demonstrierte außerdem mehrere Schwachstellen in Samsung-Exynos-Modems, die Remote Code Execution ohne Nutzerinteraktion ermöglichten und in manchen Fällen lediglich die Telefonnummer des Opfers erforderten.
