Lewan hatte Red Mirror Studios im vergangenen Jahr gemeinsam mit Howard gegründet, nachdem beide zuvor an einer anderen Doku-Serie mit dem Titel „CISO: The Worst Job I Ever Wanted“ gearbeitet hatten. Damals war Lewan Director of Global Marketing bei Nagomi Security. Nach ihren Angaben scheiterte das Projekt an Vorgaben, die nicht zu ihrer Vorstellung eines ehrlichen Formats passten: Geldgeber hätten bestimmte CISOs weglassen und den Titel ändern wollen, weil sie befürchteten, das Format könne Menschen von der Rolle des CISO abschrecken.
Lewan sagte Dark Reading, die Beteiligten hätten sich letztlich gegen eine Serie entschieden, die „die Realität des Berufs ehrlich widerspiegeln“ würde, weil das als zu großes Risiko für das Geschäft gesehen worden sei. Der Name der ursprünglichen Reihe sei inzwischen geändert worden. Für Lewan und Howard war das der Auslöser, einen unabhängigen Weg zu gehen und nach einem Investor zu suchen, der ihre Vorstellung offener Geschichten teilt.
Howard betonte gegenüber Dark Reading, Vertrauen sei die Grundlage des Projekts. Ohne dieses Vertrauen komme weder ein Gespräch noch Wahrheit zustande. Nach seiner Einschätzung besteht ein Großteil der Produktionen im Umfeld der Cybersicherheit aus Produkt- oder Werbeinhalten. „Declassified“ zeige dagegen Menschen vor der Kamera, die öffentlich noch nie über ihre Arbeit gesprochen hätten.
Zu ihnen gehört Tyson Kopczynski, heute Partner bei White Rabbit VC. Zuvor arbeitete er als CISO, zunächst im Finanzsektor und später im Gesundheitswesen. Er beschreibt den Dauerstress der Rolle als konstant. Der Wechsel von einer gut finanzierten Branche in ein Gesundheitswesen mit erheblich weniger Ressourcen und zugleich besonders schutzbedürftigen Menschen habe die Belastung für ihn unerträglich gemacht. Das US-Gesundheitssystem sei „hochgradig dysfunktional“, zudem aus Cybersicht weit zurück und im Kampf. Die Folgen von Angriffen könnten tödlich sein; zugleich sei die Erwartungs- und Haftungslast enorm. Schließlich zog er für sich die Reißleine und verließ die Branche.
Kopczynski verbindet mit der Serie die Hoffnung, einige strukturelle Probleme der Rolle sichtbarer zu machen. Weil so viel von der Arbeit vertraulich sei, fehle es oft an Unterstützung und sogar an einer allgemein verständlichen Definition dessen, was ein CISO eigentlich tut. Sicherheitsfachleute seien zudem schlecht darin, ihr Feld zu erklären. „Declassified“ solle die Branche greifbarer machen statt mystisch wirken zu lassen.
Auch Chainguard-CISO John Sapp Jr. machte mit, um CISOs eine Plattform für ihre Erfahrungen zu geben. Er und Kopczynski sind in der ersten Folge zu sehen. Sapp spricht dort über lange Arbeitszeiten, sensibles Material und die Auswirkungen auf das Familienleben. Gegenüber Dark Reading sagte er, Isolation sowie Druck und Kommunikationsbarrieren hätten sogar zu seiner Scheidung beigetragen. Die Serie sei deshalb auch eine Möglichkeit zur Verarbeitung, weil viele diese Belastungen über Jahre in sich hineingefressen hätten.
Sapp nennt auch einen konkreten Vorfall aus seiner Zeit bei einem globalen Hersteller medizinischer Geräte mit einem Büro in Brasilien. Während die beteiligte Bank Mehrfaktor-Authentifizierung einführte, nutzten Bedrohungsakteure die Situation laut Sapp für eine Social-Engineering-Kampagne. Aus einem scheinbar legitimen Anruf der Bank wurden in einem Moment 2 Millionen US-Dollar Diebstahl.
Bryson Byrd, Cybersicherheitsberater bei Huntress sowie CISO und Mitgründer von Servitium Cyber, unterstützt das Ziel der Reihe ebenfalls. Burnout sei kein exklusives Problem von CISOs, sondern in der gesamten Cybersicherheitsbranche verbreitet. Als Professor und Mentor an der University of Texas wirbt er für einen menschenzentrierten Ansatz. Wenn prägende Figuren der Community offen über Angst, Burnout und Depression sprechen, sorge das bei anderen dafür, sich gesehen und weniger allein zu fühlen, sagte Byrd Dark Reading.
