Dream stützt seine Untersuchung nach eigenen Angaben auf einen operativen Arbeitsbereich mit mehr als 160 Megabyte und 1.395 Dateien. Demnach setzten die Angreifer gängige Social-Engineering-Methoden ein, um Schutzmechanismen nicht genannter Frontier-Modelle zu umgehen und daraus ein Penetrationstest-Framework für den Angriff auf eine Regierungsbehörde in einem nicht genannten asiatischen Staat zu erstellen.

Die KI-Operation basierte laut Dream auf den agentischen Frameworks OpenClaw und Hermes. Zum Einsatz kamen bis zu acht Subagenten, die jeweils mit einzelnen Buchstaben von „A“ bis „Q“ bezeichnet wurden. Diese Teilagenten übernahmen autonom verschiedene Abschnitte der Angriffskette, darunter das Knacken von Zugangsdaten von Regierungsmitarbeitern, das Auffinden und Ausnutzen von Schwachstellen, das Abziehen von Personalunterlagen und die Installation persistenter Hintertüren in staatlichen Webanwendungen.

Ein Dream-Forscher sagte Dark Reading unter der Bedingung der Anonymität, jeder Agent habe eine eigene Aufgabe gehabt. So habe sich ein Agent etwa auf die Erkundung von Programmierschnittstellen und offenen Endpunkten konzentriert, ein anderer auf den Diebstahl von Zugangsdaten. Eine übergeordnete Sitzung habe die Subagenten koordiniert, sodass pro Angriffswelle mehrere davon parallel laufen konnten.

Insgesamt beobachtete Dream 12 Angriffswellen. Der koordinierende Agent habe einen einfachen Bayes-Scoring-Algorithmus genutzt, um erfolgreiche Funde zu bewerten und erfolglose Schritte abzustrafen. Auf Basis dieser Bewertungen seien weitere Aktionen gesteuert worden.

Als wahrscheinliches Ziel gilt Taiwan; zuerst hatte die Financial Times diese Einschätzung veröffentlicht. Dream selbst bestätigte das nicht und verwies auf den Schutz seiner Kunden. Zeitlich passt die öffentliche Reaktion jedoch: Nach Angaben von MODA entdeckten „Cybersicherheits-Überwachungseinheiten“ im Juli ungewöhnliche Angriffe auf Regierungsbehörden. MODA und das National Institute of Cyber Security (NICS) hätten am 20. Juli intern gewarnt und Untersuchungen eingeleitet, die bis zum 13. August abgeschlossen worden seien.

In seiner chinesischsprachigen Mitteilung erklärte MODA, die Untersuchungsergebnisse zeigten klare Merkmale eines Ursprungs im Ausland. Genutzt worden sei ein hybrides Modell, bei dem Hacker ihre Operationen mit KI-Agenten wie OpenClaw kombinierten. Solche Agenten könnten mehrere Angriffsmethoden schnell verketten und Sekundärsysteme wie Sicherungs- oder Testumgebungen als Sprungbrett nutzen, wodurch Angriffe schnell, kostengünstig und in großem Maßstab möglich würden.

Dream zufolge lief der Angriff auf das Regierungsziel im asiatisch-pazifischen Raum über vier Tage, vom 1. bis 4. Juli. Erste Hinweise auf die Aktivität habe das Forschungsteam am 2. Juli entdeckt. Gegenüber Dark Reading erklärte das Team, man habe die Aktivität ab diesem Zeitpunkt identifiziert und in den folgenden Wochen weiter überwacht und untersucht, um das volle Ausmaß der Operation zu verstehen.

Eine Zuordnung zu einer bekannten Gruppe gelang nicht. Dream verfolgt nach eigenen Angaben mehr als 100 Bedrohungsgruppen, konnte die in dem Arbeitsbereich gefundenen Taktiken, Techniken und Verfahren aber keiner davon eindeutig zuordnen. Der von Dark Reading zitierte Dream-Forscher betonte zudem, dass für den Angriff keine Zero-Day-Exploits nötig gewesen seien.