Im Mittelpunkt der Anklage steht nach Angaben des Justizministeriums das Mabna Institute, über das die Beschuldigten im Auftrag iranischer Stellen gearbeitet haben sollen. Acht der nun Angeklagten waren bereits 2018 wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an einer anderen Hacking-Kampagne angeklagt worden.

Der beigeordnete Justizminister John Eisenberg erklärte, die ergänzte Anklageschrift werfe den Beschuldigten vor, auf Veranlassung unter anderem des Islamic Revolutionary Guard Corps weltweit Universitäten und andere Forschungseinrichtungen angegriffen und dabei mindestens 31 Terabyte an Informationen und geistigem Eigentum mit „nicht bezifferbarem Wert“ entwendet zu haben.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft richteten sich die Angriffe neben Hochschulen auch gegen das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen sowie fünf Behörden auf Bundes- und Gliedstaatsebene. Die Vereinten Nationen reagierten laut Bericht nicht auf Anfragen zu den Vorwürfen. Konkret nennt der Quelltext E-Mail-Konten mit Bezug zum Department of Labor, zur Federal Energy Regulatory Commission sowie zu Behörden in Hawaii und Indiana.

Zusätzlich wirft das Justizministerium der Gruppe vor, 144 Hochschulen in den USA und 42 US-Unternehmen kompromittiert zu haben. Hinzu kommen 178 ausländische Universitäten und mindestens 11 ausländische Unternehmen. Das Außenministerium lobte zugleich 10 Millionen US-Dollar für Hinweise zu Behzad Mesri, Mojtaba Galekuhi, Arman Kahzadian, Keyvan Fayaz und Saber Shahbazi Ballojeh aus. Ihnen wird vorgeworfen, als Beschäftigte, Auftragnehmer oder verbundene Personen des Mabna Institute „Cyber-Einbrüche zum Diebstahl akademischer Daten, geistigen Eigentums, von E-Mail-Postfächern und anderer geschützter Daten“ durchgeführt zu haben.

FBI-Vizedirektor Brett Leatherman sagte, die Beschuldigten hätten mutmaßlich einen weitverzweigten Auftrags-Hacking-Betrieb aufgebaut und daraus Profit gezogen. Ziel sei das geistige Eigentum amerikanischer und verbündeter Universitäten, Unternehmen und Regierungsstellen zugunsten der iranischen Regierung gewesen.

Die Hochschulkampagne soll zwischen 2013 und 2013 zur erfolgreichen Kompromittierung von rund 8.000 E-Mail-Konten von Professoren geführt haben. Laut Anklage nutzten die Angreifer gestohlene Zugangsdaten, um diese Konten zu übernehmen. Entwendet worden seien wissenschaftliche Fachzeitschriften, Abschlussarbeiten, Dissertationen und elektronische Bücher aus Dutzenden Fachgebieten.

Nach Angaben des Justizministeriums wurden die erbeuteten Dokumente an die iranische Regierung weitergegeben und über zwei Websites an Universitäten im Iran verkauft. Eine dieser Websites habe Kunden im Iran ermöglicht, mit gestohlenen Professorenkonten auf die Online-Bibliothekssysteme mehrerer US-Hochschulen zuzugreifen.

Die betroffenen Universitäten gaben laut Anklage rund 20 Millionen US-Dollar für Untersuchung und Behebung der Vorfälle aus. Außerdem verweist die Anklage darauf, dass Mesri bereits früher wegen eines Angriffs auf das Medienunternehmen HBO angeklagt worden war, bei dem er dem Vorwurf zufolge 6 Millionen US-Dollar erpressen wollte.

Der Bericht ordnet die Vorwürfe in eine Reihe weiterer, dem Iran zugeschriebener Kampagnen ein. Seit den US-Luftangriffen gegen das Land im Februar seien iranische Akteure mehrerer Hacking-Angriffe beschuldigt worden. Teheran soll hinter einer jüngsten Angriffswelle auf Wassersysteme in mindestens 12 Bundesstaaten gestanden haben; zudem reklamierte die Regierung Cyberangriffe auf einen bekannten Hersteller medizinischer Geräte und auf das private E-Mail-Konto des FBI-Direktors für sich. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Außenministerium weitere 10 Millionen US-Dollar für Hinweise auf die hinter CyberAv3ngers stehenden iranischen Hacker ausgesetzt.