ThreatDown hebt hervor, dass die Website von „Kriminal“ den Dienst nicht ausdrücklich als Werkzeug für Cyberkriminalität bewirbt. Dennoch nennt der Bericht Funktionen, die in diesem Kontext Fragen aufwerfen. So bietet das Merkmal „WRAITH“ in der höchsten Tarifstufe „Social Engineering und Persona-Erstellung“ an. Der Agent „ARCHITECT“ wird als „Experte für offensive Sicherheit und Exploits“ beschrieben. Darüber hinaus nennt die Plattform Diskussionen über Verschwörungstheorien ohne Leitplanken, unzensierte Bildgenerierung, OSINT-Scans nach Informationen wie Namen und Adressen sowie das Nachverfolgen von Kryptowährungen.

Gleichzeitig verweist die Nutzungsseite von „Kriminal“ laut Quelltext ausdrücklich darauf, dass der Dienst für „Forschung, kreative und Bildungszwecke“ gedacht sei. Verboten seien Aktivitäten, die den Dienst in einer Weise nutzen, die gegen geltendes lokales, nationales oder internationales Recht verstößt. Die Bedingungen legen nahe, dass die Betreiber zwischen einer „unzensierten“ und einer unmoderierten KI unterscheiden. So ist dort auch von manueller und automatisierter Erkennung illegaler Ausbeutungsinhalte mit Minderjährigen die Rede; Versuche von Nutzern, solche Inhalte zu erzeugen, könnten nach Angaben des Unternehmens an die zuständigen Behörden gemeldet werden.

Trotzdem bleibt die Außendarstellung bemerkenswert. Dark Reading schreibt, dass die Betreiber von Kriminal AI auf der Website offenbar nicht öffentlich auftreten und keine Kontaktinformationen verfügbar waren. Ein Kontaktversuch von Dark Reading blieb demnach bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Zugleich betont der Text, dass auch legitime Akteure OSINT-Scans, Krypto-Nachverfolgung und offensive Sicherheitstests nutzen.

Besonders interessant ist für ThreatDown die technische Zusammensetzung der Plattform. In einem von ThreatDown als „Cybercrime-Netzwerk“ beschriebenen Umfeld habe „Kriminal“ damit geworben, „kein Jailbreak um die API eines anderen“ zu sein. Nach einer Analyse der technischen Grundlagen seien jedoch fast keine Komponenten proprietär. Laut der Herstelleranalyse von ThreatDown stützt sich „Kriminal“ bei der primären Inferenz offenbar auf Grok, für Hosting auf Google Cloud und Cloudflare, für eine Langkontext-Modellebene auf Claude von Anthropic, für bestimmte spezialisierte Aufgaben auf über OpenRouter angebundenes Llama, für Live-Suche auf Tavily, für Krypto-Zahlungen auf NowPayments und für DNS sowie TLS auf Cloudflare und Let’s Encrypt.

Gerade diese Aufteilung macht den Dienst aus Sicht von ThreatDown widerstandsfähig. In dem Blogbeitrag heißt es sinngemäß: Cloudflare sehe den Verkehr, aber nicht dessen Zweck; NowPayments sehe eine Krypto-Zahlung, aber nicht, was damit gekauft wurde. Jeder Anbieter im Stack habe nur Einblick in seine eigene Ebene. Deshalb könne kein einzelnes Unternehmen auf das Gesamtbild reagieren, sondern nur auf seinen jeweiligen Ausschnitt. Die Angriffsfläche für eine Abschaltung sei damit kein einzelner unangreifbarer Host, sondern ein Dutzend separater Missbrauchsmeldungen, von denen jede nur einen Teil einer Operation betreffe, die niemand vollständig sehen könne.

Sollten die Recherche und Einordnung von ThreatDown zutreffen, könnte „Kriminal“ laut Quelltext Compliance- und Regulierungsfragen für die KI-Anbieter aufwerfen, auf deren Modelle sich der Dienst stützt. Ob tatsächlich Nutzungsbedingungen verletzt werden, lasse sich jedoch nur schwer nachweisen. Dafür müssten die jeweiligen Verträge, API-Nutzungsmuster und konkreten Ausgaben im Detail geprüft werden.