Im Mittelpunkt von Argo steht laut Atalanta ein Ansatz, den das Unternehmen als „Softwareverständnis“ bezeichnet. Gemeint ist eine Kombination aus künstlicher Intelligenz und formalen mathematischen Verfahren, die laut Hersteller erstmals kommerziell verfügbar ist und Software sowie internetverbundene Systeme umfassender auf Schwachstellen untersuchen soll.
Atalanta verknüpft die Einführung des Produkts mit einem prominenten Anwendungsfall: Viasat nutzt die Technik, um die Belastbarkeit seines Satellitenkommunikationsnetzes gegenüber neuen Angriffen nachzuweisen. Das Netz war Ziel des Angriffs, bei dem Russland am Tag des Einmarschs in die Ukraine tausende Satellitenmodems in der Ukraine und in anderen europäischen Ländern außer Betrieb setzte, um Kommunikationsverbindungen zu stören.
Atalanta-Chefin und Mitgründerin Anjana Rajan sagte der Nachrichtenagentur AP, die Werkzeuge und Methoden von gestern skalierten für die Gegenwart nicht mehr. „Softwareverständnis“ werde der Weg nach vorn sein für alle, die in den Vereinigten Staaten Systeme mit hoher Tragweite bauen. Viasats Leiter für Cyberstrategie, Nick Saunders, erklärte, die neue Technik sorge nicht nur dafür, dass das Viasat-Netz gegen künftige Angriffe gehärtet sei, sondern liefere auch den mathematischen Nachweis für diese Aussage.
Saunders ergänzte, Viasat habe im vergangenen Jahr gemeinsam mit Atalanta Fähigkeiten aufgebaut, um besser zu verstehen, wie die eigenen Systeme widerstandsfähiger gegen Angriffe werden. Gerade dieser Nachweischarakter hebt Argo von klassischen Sicherheitswerkzeugen ab: Es geht nicht nur um Härtung, sondern auch um eine belegbare Aussage über Resilienz.
Die Technologie kommt nicht nur bei Viasat zum Einsatz. Laut dem Bericht wurde Atalanta auch für die Genesis Mission ausgewählt, ein Vorhaben des US-Energieministeriums zur Entwicklung autonomer Kernreaktoren. Damit bewegt sich die Technik in Bereichen, in denen Ausfallsicherheit und Vertrauenswürdigkeit besonders hoch gewichtet werden.
Greg Shannon, leitender Cybersicherheitswissenschaftler am staatlichen Idaho National Laboratory, sagte, die von Atalanta bereitgestellte Technologie werde voraussichtlich irgendwann zum Standard beim Testen neuer Fähigkeiten. In ein oder zwei Jahrzehnten werde sie seiner Erwartung nach schlicht Teil der üblichen Entwicklungswerkzeuge sein.
Shannon verwies zudem auf langjährige Investitionen der Defense Advanced Research Project Agency, kurz DARPA. Die Behörde habe über ein paar Jahrzehnte hinweg Milliarden in diese Technologie investiert und damit die Nachfrage nach einem System wie Argo mit geschaffen. Seiner Einschätzung nach hat DARPA in verschiedenen Programmen deutlich mehr als 2 Milliarden US-Dollar investiert, um formale Methoden voranzubringen; nun zeigten sich erstmals greifbare Ergebnisse. Bereits im vergangenen Jahr hatte Emil Michael, Technologiechef des Pentagon, laut Bericht in einer vorab aufgezeichneten Ansprache auf einer DARPA-Softwarekonferenz erklärt, die Mathematik hinter Atalantas Technologie sei die Zukunft des Militärs und solle zum „Goldstandard“ des US-Verteidigungsministeriums für Cybersicherheit werden.
