Der Schaden dieses Modells tritt laut Anonyome Labs verzögert und diffus auf. Ein Profil bei einem Datenhändler spürt man nicht so unmittelbar wie eine gestohlene Kreditkarte – die Folgen zeigen sich später als Spam, als Preisdiskriminierung, als Identitätsdiebstahl und als allgemeiner Kontrollverlust über die eigene digitale Identität. Datenhändler werden im Beitrag als die folgenreichsten Verarbeiter personenbezogener Daten bezeichnet, die weitgehend ohne Kenntnis oder informierte Einwilligung der Betroffenen operieren.

Verschärft habe sich die Lage durch künstliche Intelligenz. Datenhändler könnten mit KI-Systemen inzwischen Aktivitäten miteinander verknüpfen, deren Verbindung zuvor als unmöglich galt. Die Stärke solcher Systeme liege genau dort: riesige Datenmengen durchzuarbeiten und einzelne Handlungen zu einem verwertbaren Profil zu korrelieren.

Die vorgeschlagene Gegenmaßnahme ist ausdrücklich strukturell und nicht rechtlich oder politisch gedacht: die verknüpfenden Merkmale kappen. Statt eine E-Mail-Adresse, eine Telefonnummer, eine Zahlungsmethode und einen Kommunikationskanal in allen Lebenskontexten zu verwenden, sollen Nutzer ihre Aktivitäten bewusst auf getrennte Personas verteilen – eine fürs Online-Shopping, eine für Dating-Apps, eine fürs Reisen, eine für Kleinanzeigen und eine weitere für den Newsletter, dem man noch nicht traut.

Jede Persona funktioniert dabei als in sich geschlossene Identität mit eigener E-Mail-Adresse, eigener Telefonnummer, eigener Zahlungsmethode, eigenem Browser und eigenem Kommunikationskanal. Entscheidend ist, dass die Personas weder untereinander noch mit der tatsächlichen Identität in einer für Datenhändler oder Werbetreibende beobachtbaren Weise verbunden sind. Gerät eine Persona in ein Datenleck, zieht sie Spam an oder landet sie auf einer Marketingliste, bleibt der Schaden eingegrenzt.

Damit unterscheidet sich der Ansatz grundlegend von dem Modell, auf dem die meisten Sicherheitswerkzeuge beruhen: Diese versuchen, eine einzige Identität besser zu schützen – durch stärkere Passwörter, bessere Verschlüsselung, sorgfältiger vergebene Berechtigungen. Kompartimentierung unterstellt dagegen, dass jede einzelne Identität früher oder später korreliert wird, und sorgt dafür, dass keine Identität besonders wertvoll ist, weil sie austauschbar bleibt. Es gehe weniger darum, eine undurchdringliche Mauer zu bauen, als darum, gar nicht erst alles hinter eine einzige Mauer zu stellen.

Ein praktischer Vorzug: Der Ansatz setzt keine Veränderung des übrigen Internets voraus. Es braucht keine besseren Datenpraktiken bei jedem Unternehmen, mit dem man interagiert, sondern lediglich eine Schicht dazwischen, die die Personas erzeugt und verwaltet.

Anonyome Labs hat nach eigenen Angaben zahlreiche Ideen rund um die Erzeugung von Online-Personas und Kompartimentierung patentiert. Als eigentlich schwierigeres Problem bezeichnet das Unternehmen jedoch die Bedienbarkeit: Das Verfahren müsse für typische Nutzer verständlich und so weit automatisiert sein, dass es sich ohne Informatikstudium und ohne ständige Reibungsverluste konsequent anwenden lässt. Die App MySudo setzt dieses Paradigma um und erlaubt jedem Nutzer bis zu neun Personas, sogenannte Sudos, jeweils mit eigener Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Zahlungskarte. MySudo wird in zwei Ausführungen angeboten und gehört zu einer wachsenden Produktfamilie von Anonyome Labs, zu der auch ein auf Privatsphäre ausgerichtetes VPN sowie ein Passwortmanager zählen, der in Kürze erscheinen soll.

Der Beitrag ist gesponsert und wurde von Anonyome Labs verfasst.